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Studienkosten richtig absetzen- Tipps vom Steuerberater Christoph Gramlich

Weshalb eine Steuererklärung für Studenten Sinn macht – der Überblick

Auch als Studierender kannst Du entstandene Kosten steuerlich absetzen. Dies gilt nicht nur für das verdiente Geld während Ausbildungszeiten. Auch während früherer Berufsjahre können rückwirkend Verluste vorgetragen werden. Mit Beschluss vom 13. Januar 2015 hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass es die Möglichkeit rückwirkender Verlustfeststellungsanträgen für bis zu sieben Jahre gibt. Im weiteren Verlauf steht der Steuerberater Christoph Gramlich Rede und Antwort und sorgt dafür, dass Du den Überblick behältst und Deine Studienkosten richtig absetzt.


Der Steuerexperte:
Steuerberater Christoph Gramlich beschäftigt sich seit der Kanzleigründung 2003 unter anderem mit dem Spezialgebiet der Studienkosten.
Informationen bietet sein Portal http://www.studienkosten.de/


TopTarif: Herr Gramlich, könnten Sie uns einen Überblick über die Entwicklung der aktuellen Rechtslage zum Thema „Studienkosten absetzen“ verschaffen?

Steuerberater Gramlich:
Ausgangspunkt war ein Urteil des Reichsfinanzhofs aus dem Jahr 1937. Damals entschieden die Richter, dass Aufwendungen für eine Ausbildung zur privaten Lebensführung gehören und steuerlich allenfalls Sonderausgaben darstellen.

Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied dann erstmals im Jahre 2002 für die Studenten: Studienkosten sind bei beruflicher Veranlassung Werbungskosten und keine Sonderausgaben. Was für den Laien nach einer juristischen Wortklauberei klingen mag, löst gewaltige finanzielle Unterschiede aus. Während Sonderausgaben nur mit Einkünften desselben Jahres verrechenbar sind, können Werbungskosten auch von späteren Einkünften abgezogen werden. Für den Fiskus war dies ein Schock. Er sah beträchtliche Steuerausfälle auf sich zukommen. Flugs änderte die damalige rot-grüne Regierung 2004 das Gesetz und legte fest, dass Erststudienkosten nur als Sonderausgaben zu berücksichtigen sind. Eine weise Entscheidung, denn in 2006 urteilte der BFH, dass auch Ausgaben für ein Erststudium nach dem Abitur Werbungskosten sind. Freilich gilt dieses Urteil nur für Studienjahre bis 2003.

Zweitstudienkosten wie z.B. eines Masters oder eines Uni-Studiums nach einem abgeschlossenen FH-Studium hingegen können bis heute als Werbungskosten geltend gemacht werden. 2009 sprang der BFH dann den Azubis zur Seite und entschied, dass ihr Studium nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung auch zu Werbungskosten führt.

2011 schließlich entschied der BFH wieder, dass auch Ausgaben für ein Erststudium nach dem Abitur Werbungskosten sind. Leider akzeptierte der Gesetzgeber dieses Urteil abermals nicht. Vielmehr legte er nach und stellte via rückwirkender Gesetzesänderung nochmals klar, dass es für die Erststudenten bei Sonderausgaben bleibt. Im Jahre 2014 urteilte der BFH dann erneut zugunsten der Erststudenten: Das oberste deutsche Steuergericht argumentiert, dass ein Studium regelmäßig notwendige Voraussetzung ist, um später Einnahmen zu erzielen. Daher seien die Aufwendungen für Studium und Ausbildung beruflich veranlasst und somit vorweggenommene Werbungskosten. Der BFH ist davon überzeugt, dass die Ablehnung des Werbungskostenabzugs beim Erststudium gegen den allgemeinen Gleichheitsgrundsatz aus Artikel 3 Grundgesetz verstößt und legte die Rechtsfrage daher dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) vor. Das Verfahren vor dem BVerfG ist nach wie vor in der Schwebe.

Für Studierende im Erststudium, die zuvor keine Erstausbildung genossen haben, gibt es nach aktueller Rechtslage keine Möglichkeit des Verlustvortrags. Studienkosten gelten als Sonderausgaben. Der Bundesfinanzhof erachtet diese Auslegung hingegen als verfassungswidrig.

Mit einer entsprechenden Entscheidung seitens des Bundesverfassungsgerichts wird erst 2017 gerechnet. Dennoch bleibt auch für Studierende im Erststudium, die unmittelbar nach dem (Fach-) Abitur zu studieren begannen, noch Hoffnung.

Steuern sparen als Student kann ganz einfach sein!

TopTarif: Wer kann die Studienkosten von der Steuer absetzen und welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Steuerberater Gramlich:
Der Gesetzgeber formuliert es in § 9 Abs. 6 Einkommensteuergesetz (EStG) so: „Aufwendungen des Steuerpflichtigen für seine Berufsausbildung oder für sein Studium sind nur dann Werbungskosten, wenn der Steuerpflichtige zuvor bereits eine Erstausbildung (Berufsausbildung oder Studium) abgeschlossen hat oder wenn die Berufsausbildung oder das Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet.“ Werbungskosten und damit absetzbar sind daher im wesentlichen Zweitstudienkosten (z.B. Master, Uni-Studium nach einem abgeschlossenen FH-Studium) sowie Studienkosten nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung.

TopTarif: Was gilt als berufliche Erstausbildung?

Steuerberater Gramlich:
Damit das Finanzamt eine Berufsausbildung als Erstausbildung anerkennt, muss sie seit 2015 grundsätzlich mindestens 12 Monate lang sein, in Vollzeit durchgeführt werden und mit einer Abschlussprüfung enden. Bis 2014 können aber auch ein Taxischein, der Skilehrer oder eine abgeschlossene Fortbildung zum Rettungssanitäter ausreichend sein.


Wenn Du Studierender mit abgeschlossener beruflicher Erstausbildung oder Masterstudent bist, können nach alter wie neuer Rechtslage sämtliche Studienkosten als Werbungskosten vorgetragen werden. Diese Kosten kannst Du summiert über die Studienzeit als Verlust vortragen, sofern Du während des Studiums nur geringfügige oder keine Einkünfte hattest.

Begünstigt sind zudem in jedem Falle Studierende, die ein berufsbegleitendes Studium absolvieren. Auch Zweitstudierende (darunter Masterstudierende) sowie Promovenden können Verluste vortragen.

Es lohnt sich! In diesem Umfang kannst Du Studienkosten absetzen

TopTarif: Welche Studienkosten können Studenten von der Steuer absetzen?

Steuerberater Gramlich:
Die meisten denken dabei nur an Semester- und Studiengebühren sowie Arbeitsmittel wie etwa Laptop und Fachbücher. Grundsätzlich können aber alle Ausgaben, die im Zusammenhang mit dem Studium bzw. mit der künftigen Berufstätigkeit stehen, angesetzt werden. Dazu gehören neben den oben genannten beispielsweise noch Fahrtkosten zur Uni, weitere Arbeitsmittel wie z.B. ein Bücheregal, Berufskleidung wie Laborkittel für Chemiestudenten und auch Kosten für Repetitorien. Für Studenten, die ein Praktikum oder ein Auslandssemester absolvieren, kommen Mehrkosten wie Fahrt- und Übernachtungskosten, Verpflegungsmehraufwand oder auch das Sprachzertifikat in Frage. Die Miete der Studentenbude ist bis ins Jahr 2013 in den meisten Fällen abzugsfähig. Ab 2014 ist dazu eine „doppelte Haushaltsführung“ Voraussetzung. Die hierfür notwendige zweite Wohnung darf dabei auch im Haus der Eltern sein.

TopTarif: Wie ist die Höhe der absetzbaren Studienkosten?

Steuerberater Gramlich:
Steuerlich belaufen sich die Studienkosten oft auf einen hohen fünfstelligen Betrag. Daran ändern in der Regel auch BAföG-Zahlungen nichts, weil davon nur bestimmte Bestandteile wie Sachkostenzuschüsse als Einkünfte abzuziehen sind. Das BAföG mindert den Verlust somit allenfalls um ein paar Hundert Euro im Jahr. Werden auf diese Weise Verluste übers gesamte Studium gesammelt, bleibt das Gehalt im Berufseinstiegsjahr nicht selten komplett steuerfrei. Oftmals bleibt noch ein beträchtlicher Betrag fürs zweite Berufsjahr übrig, der zu einer weiteren signifikanten Steuererstattung führt.

Eine grundsätzliche Beschränkung der Höhe, in denen Studienkosten abgesetzt werden können, liegt somit nicht vor!

Auch wenn Du im Erststudium entstandene Kosten (ohne vorherige Berufsausbildung) vortragen willst, kann eine Steuererklärung für die einzelnen Studienjahre lohnenswert sein, sobald eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vorliegt. Hierbei solltest Du die Studienkosten als Werbungskosten geltend machen. Noch müssen Finanzämter diesen Vortrag ablehnen, da die Kosten des Erststudiums aktuell noch als Sonderausgaben zu berücksichtigen sind. Jedoch wird der Steuerbescheid mit einem Vorläufigkeitsvermerk versehen, der sich auf die Abzugsfähigkeit als Werbungskosten bezieht. Sobald das Bundesverfassungsgericht die Entscheidung des Bundesfinanzhofs bestätigt hat, werden Studienkosten als Werbungskosten akzeptiert, ohne dass ein neuer Antrag gestellt werden muss.

TopTarif: In welcher Höhe können Sonderausgaben geltend gemacht werden?

Steuerberater Gramlich:
Erststudenten ohne Berufsausbildung können ihre Studienkosten als Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung mit bis zu 6.000 € im Kalenderjahr geltend machen.

TopTarif: Dürfen die Eltern des Studierenden die Studienkosten bezahlen?

Steuerberater Gramlich:
Hier ist Vorsicht geboten! Um Streitigkeiten mit dem Finanzamt aus dem Weg zu gehen, sollten Studenten sämtliche Ausgaben aus ihren monatlichen Unterhaltszahlungen bestreiten. Zudem sollten sie selbst der Mieter ihrer Studentenbude sein. Apropos Mieter: Beträgt die Miete mindestens 66 % der ortsüblichen Miete, können die Eltern als Vermieter einer zuvor gekauften Studentenwohnung auftreten und Sohn oder Tochter setzen die Mietzahlungen ab. Dass die Miete aus zuvor Sohn oder Tochter überwiesenem Geld beglichen wird, ist steuerrechtlich völlig in Ordnung. Wichtig: Die Steuervergünstigungen der Eltern (u.a. Kindergeld, Kinderfreibetrag, Ausbildungsfreibetrag) bleiben stets unberührt.

Keine Belege gesammelt? Trotzdem kannst du Steuern sparen!

TopTarif: Was gilt für den Fall, dass nur noch für wenige Ausgaben Belege vorliegen?

Steuerberater Gramlich:
Dieses Thema wird regelmäßig überschätzt. Selbst im Extremfall, also wenn jemand sagt, dass er gar keine Rechnungen habe: Es gibt den Nachweis, dass das Studium stattgefunden hat, denn die Abschlussurkunde hebt wohl jeder auf. Dazu kommen dann vielleicht Immatrikulationsbescheinigungen und Praktikumszeugnisse. Für gewisse Ausgaben reicht schon der Lebenssachverhalt „Studium“ als Beleg. Umzugskosten ergeben sich durch einen Wohnortswechsel. Dass ein Student Bücher und Arbeitsmaterialien kaufen muss, glaubt der Sachbearbeiter im Finanzamt bei geeigneter Darstellung oftmals auch ohne Quittungen. Die meisten meiner Mandanten sind außerdem erstaunt, wie viel sie letztlich doch finden.

Neuregelung ab 2017: Quittungen müssen nicht mehr unbedingt mitgesendet, aber bei Nachfrage vorgelegt werden können.

Rückwirkend Studienkosten absetzen? So geht es!

TopTarif: Kann ich meine Studienkosten in späteren Jahren rückwirkend absetzen?

Steuerberater Gramlich:
Dies ist noch bis zu sieben Jahre rückwirkend möglich. Für Studienkosten des Jahres 2010 sollten ehemalige Studenten sich schon jetzt beeilen, denn die Finanzämter fordern vor dem Stichtag 31.12. noch ausreichend Bearbeitungszeit ein.

TopTarif: Was müssen Studenten beachten, wenn sie für ein Studienjahr bereits eine Steuererklärung eingereicht haben?

Steuerberater Gramlich:
Bis 2010 war es selbst bei bestandskräftigen Bescheiden möglich, Verluste nachzumelden. Doch dann wurde die Rechtslage geändert. Seither sind Verlustfeststellungsanträge in solchen Fällen ungültig. Aber: Gerade Einkommensteuerbescheide jüngeren Datums könnten im Punkt „Erststudienkosten“ vorläufig sein, so dass die Studienkosten doch noch zum Ansatz kommen könnten. Eine Prüfung im Einzelfall ist unumgänglich!

TopTarif: Was ist, wenn man für das Berufseinstiegsjahr bereits eine Steuererklärung eingereicht hat?

Steuerberater Gramlich:
Das spielt keine Rolle.

Das Schlusswort

TopTarif: Was raten Sie abschließend Studenten und Uniabgängern?

Steuerberater Gramlich:
Es geht um viel mehr als nur um das Belege sammeln: Studenten sollten bei der Abgabe von Steuererklärungen Vorsicht walten lassen. Bei der Antragstellung sollten Studenten wie Uniabgänger alle steuerlichen Möglichkeiten ausnutzen und auch bei Widerständen nicht klein beigeben. Lieber auf einen Experten vertrauen.

Kunden-Bewertungen

  • 5 / 5
    Gute Vergleiche.
  • 4 / 5
    Schnell, einfach , unkompliziert
  • 2 / 5
    Bei einem Schufaeintrag ist ein Strom Tarifwechsel, obwohl jeder die monatlichen Abschläge im voraus zahlt, nicht möglich und nicht gewollt diskriminierend und eine Frechheit nenne ich das Geschäftgebahren.\n\nMfg ***
  • 4 / 5
    Alles gut, schnell und unkompliziert.

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