Strompreise in Europa: Deutsche Verbraucher zahlen 44 Prozent mehr

Berlin, den 17. Januar 2017 – Verbraucher in Deutschland müssen für Strom deutlich tiefer in die Tasche greifen als ihre europäischen Nachbarn. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Vergleichsportals TopTarif. Ein Grund ist die überdurchschnittlich hohe Belastung mit Steuern und Abgaben.

Deutscher Strompreis 44 Prozent über EU-Durchschnitt

Ein Haushalt in Deutschland zahlte in der ersten Jahreshälfte 2016 durchschnittlich 1.188 Euro für 4.000 Kilowattstunden Strom. Nur die Dänen mussten für die gleiche Menge noch mehr bezahlen (1.235 Euro). Überdurchschnittlich hohe Preise wurden auch in Belgien (1.018 Euro), Italien (965 Euro), Portugal (940 Euro), Irland (922 Euro) und Spanien (874 Euro) fällig.

Im europäischen Durchschnitt belief sich die Stromrechnung auf 823 Euro. Die Belastung für deutsche Verbraucher lag 44 Prozent darüber.

Im günstigsten Mitgliedsstaat der EU, Bulgarien, zahlten die Einwohner durchschnittlich 382 Euro und damit ein Drittel des deutschen Preises. Es folgten Ungarn (446 Euro) und Estland (483 Euro).

Auch unter Berücksichtigung der Kaufkraft ist Strom in Deutschland am zweitteuersten

Werden die Strompreise unter Berücksichtigung der nationalen Kaufkraft ausgewertet, ergibt sich folgendes Bild: Demnach war Strom in Portugal am teuersten (1.207 Kaufkraftstandard (KKS)). Auf Platz zwei und drei folgten Deutschland (1.151 KKS) und Rumänien (1.031 KKS). Den günstigsten Strom gemäß Kaufkraftstandard bezogen die Einwohner Finnlands (504 KKS), Luxemburgs (577 KKS) und Schwedens (588 KKS).

Steuern und Abgaben belasten

„Dass Strom hierzulande so teuer ist, ist vor allem den staatlichen Steuern, Umlagen und Abgaben geschuldet. Sie machen inzwischen über die Hälfte des Strompreises aus“, erklärt Dr. Arnd Schröder, Geschäftsführer von TopTarif.

In Deutschland (53 Prozent) ist die Steuer- und Abgabenlast auf Strom mit am höchsten. Nur in Dänemark (70 Prozent) langt der Staat noch kräftiger zu. Die geringsten Abgaben werden in England und Malta fällig (jeweils knapp 5 Prozent). Durchschnittlich machen Steuern, Umlagen und Abgaben rund ein Drittel der europäischen Stromrechnung aus.

Viele Verbraucher noch in der teuren Grundversorgung

Seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahr 1998 haben deutsche Verbraucher die Möglichkeit, ihren Anbieter zu wechseln. Dennoch befindet sich nach wie vor knapp ein Drittel der Haushalte in der lokalen Grundversorgung. Wer aus der Grundversorgung zum besten verfügbaren Tarif wechselt, minimiert seine Stromrechnung aktuell um durchschnittlich 446 Euro pro Jahr.

Methodik

Für die Auswertungen und Berechnungen wurden die Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat vom ersten Halbjahr 2016 für die 28 EU-Mitgliedsstaaten herangezogen. TopTarif hat dabei nicht nur die Preise, sondern auch den Kaufkraftstandard (KKS) berücksichtigt. Der Kaufkraftstandard ist eine fiktive Währungseinheit, die die unterschiedlichen nationalen Preisniveaus bereinigt. Mit einem KKS können in jedem Land theoretisch gleich viele Waren und Dienstleistungen eingekauft werden.

Quelle: http://appsso.eurostat.ec.europa.eu/nui/show.do?dataset=nrg_pc_204&lang=de

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