Wirtschaftlicher Totalschaden: Was bedeutet das?

Ein Unfall passiert, der andere Fahrer hat alleinige Schuld. Der Sachverständige stellt fest, dass ein wirtschaftlicher Totalschaden am Auto vorliegt. Doch was bedeutet das? Wir informieren Sie über den Zusammenhang von Reparaturkosten, Restwert und Wiederbeschaffungswert sowie über die Bedeutung dieser Faktoren bei der Bestimmung eines wirtschaftlichen Totalschadens. Zudem erfahren Sie, was es mit der 130-Prozent-Regel auf sich hat.

Das wichtigste zusammen­gefasst

  • Bei einem Unfallfahrzeug liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor, wenn die Reparaturkosten höher geschätzt werden als der Wiederbeschaffungswert des Autos!
  • Bei einem wirtschaftlichen Totalschaden muss die Kfz-Versicherung die Reparatur nicht zahlen. Stattdessen erhalten Sie den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts!
  • Eine Ausnahme davon ermöglicht die 130-Prozent-Regelung!

Inhalts­verzeich­nis

    Was ist ein wirtschaftlicher Totalschaden?

    Von einem wirtschaftlichen Totalschaden spricht man, wenn die Reparatur des Autos sich nach Einschätzung der Versicherung wirtschaftlich nicht lohnt. Die Versicherung übernimmt nicht die Reparaturkosten, sondern ersetzt dem Geschädigten nur den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs minus Restwert.

    Beispiel

    Wiederbeschaffungswert: 8.000 Euro
    Reparaturkosten: 10.000 Euro
    Restwert : 2.000 Euro
    Die Reparaturkosten liegen in diesem Fall über dem Wiederbeschaffungswert, ein wirtschaftlicher Totalschaden liegt vor. Die gegnerische Versicherung muss die Reparatur des Autos nicht übernehmen. Sie als Geschädigter erhalten stattdessen den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwertes, also 6.000 Euro.

    Was bedeutet Wiederbeschaffungswert?

    Der Wiederbeschaffungswert ist eine theoretische Größe, die bei der Entscheidung für oder gegen eine Reparatur angewandt wird. Er gibt an, wie viel es kosten würde, ein gleichartiges Auto mit gleicher Ausstattung und in demselben Zustand zu beschaffen. Der Wiederbeschaffungswert entspricht somit nicht dem Zeitwert . Letzterer bezeichnet die Summe, die der Wagen bei einem Verkauf erhalten würde. Der Wiederbeschaffungswert bezeichnet die Ausgaben, die notwendig wären, um ein Ersatzauto zu kaufen, das die Merkmale des Unfallautos besitzt. Dementsprechend ist der Wiederbeschaffungswert höher als der Zeitwert. Letzterer wird reduziert durch bestimmte Ausgaben, die beim Verkauf anfallen, etwa Garantie- und Untersuchungskosten. Insbesondere bei Oldtimern, die nur noch in geringer Stückzahl existieren, liegt der Wiederbeschaffungswert deutlich über dem Zeitwert. Bei diesen wäre es finanziell aufwändiger, ein gleichartiges Fahrzeug zu besorgen.

    Wiederbeschaffungswert und Restwert?

    Die Schwacke-Liste

    Sowohl Restwert als auch Wiederbeschaffungswert sind entscheidende Größen, um festzustellen, ob ein wirtschaftlicher Totalschaden vorliegt. Beide werden auf Grundlage der sogenannten Schwacke-Liste von einem Gutachter ermittelt. In der Schwacke-Liste sind verschiedene Automodelle samt ihres Wertes verzeichnet. Die Liste selbst nennt Durchschnittswerte, die wiederum auf Durchnittswerten von Laufleistung, Zustand und Ausstattung basieren. Der Gutachter nimmt den Betrag aus der Schwacke-Liste darum nur als Anhaltspunkt, um den tatsächlichen und individuellen Wert des Unfallautos zu bestimmen. Dabei kann es zu deutlichen Unterschieden kommen.

    Faktoren für eine Berechnung des Wiederbeschaffungswerts:

    Berechnung des Wiederbeschaffungswerts abweichend von der Schwacke-Liste sind schwierig. Vor allem folgende Faktoren führen dazu, dass der Gutachter einen deutlich von der Schwacke-Liste abweichenden Wiederbeschaffungswert festlegt:

    • Ausstattung des Fahrzeugs
    • Laufleistung
    • Erstzulassungsdatum
    • Zustand des Autos

    Der Restwert bezeichnet den Wert, den Ihr Fahrzeug unrepariert nach dem Unfall besitzt. Auch hier bietet die Schwacke-Liste einen Anhaltspunkt – natürlich unter Berücksichtigung der Unfallschäden. Der Restwert wird vom Gutachter anhand von drei von ihm selbst eingeholten Angeboten bestimmt.

    Die 130-Prozent-Grenze

    Bei der Feststellung eines wirtschaftlichen Totalschadens hat der Gesetzgeber eine Ausnahme eingefügt. Generell gesprochen liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor, wenn die Reparatur teurer ist als die Wiederbeschaffung. Die 130-Prozent-Regel erhöht jedoch den Betrag, bis zu dem eine Reparatur von der Kfz-Versicherung bezahlt werden kann. Die 130-Prozent-Regel greift, wenn die Reparaturkosten maximal um 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswert liegen.

    Rechenbeispiel für die 130-Prozent-Regel

    • Der Wiederbeschaffungswert (WBW) wird auf 8.500 Euro festgesetzt
    • Die Reparaturkosten (RK) schätzt der Gutachter auf 11.000 Euro
    • Das Verhältnis der beiden berechnen Sie so: RK / WBW
    • 11.000 / 8.500 = 129,41 Prozent

    In diesem Fall liegt der Prozentsatz knapp unter der 130-Prozent, die Sonderregelung würde greifen. Das bedeutet, dass die gegnerische Kfz-Versicherung die Reparatur des Fahrzeugs übernimmt, obwohl rein rechnerisch ein wirtschaftlicher Totalschaden vorliegt. Dies ist jedoch an bestimmte Bedingungen geknüpft:

    Bedingungen für die Zahlung durch die gegnerische Kfz-Versicherung nach Eintreten der 130-Prozent-Regel

    • Der Fahrer des reparierten Autos muss dieses für mindestens sechs Monate weiternutzen und weiterversichern.
    • Die Fahrzeugreparatur geschieht anhand der Vorgaben, die das Sachverständigengutachten definiert.
    • Der Versicherung muss die Werkstattrechnung vorgelegt werden. Aus dieser muss hervorgehen, dass die Vorgaben des Gutachtens eingehalten wurden

    Eine eigenständige Reparatur ist nach 130-Prozent-Regel ebenfalls zulässig. Jedoch nur, wenn ein Sachverständiger nach der Reparatur bestätigt, dass die Vorgaben des Gutachtens eingehalten wurden.

    Fragen und Antworten: wirtschaftlicher Totalschaden

    Was bedeutet ein wirtschaftlicher Totalschaden?

    Von einem wirtschaftlichen Totalschaden spricht man, wenn die Reparaturkosten für das Unfallfahrzeug über den Wiederbeschaffungskosten liegen. Ein Beispiel: Die Reparatur Ihres beschädigten Autos würde 9.000 Euro kosten, die Wiederbeschaffungskosten liegen dagegen nur bei 5.000 Euro. In diesem Fall erhalten Sie von der Versicherung die Wiederbeschaffungskosten (abzüglich des Restwertes). Beachten Sie, dass ein wirtschaftlicher Totalschaden kein technischer Totalschaden ist. Das bedeutet:

    • Rein technisch ist es möglich, Ihr Auto zu reparieren.
    • Der Restwert des Fahrzeugs ist höher als Null Euro.

    Wann ist mein Auto ein wirtschaftlicher Totalschaden?

    Ihr verunfalltes Fahrzeug ist aus Sicht der gegnerischen Versicherung ein wirtschaftlicher Totalschaden, wenn die Reparatur sich für die Versicherung wirtschaftlich nicht lohnt. In diesem Fall erhalten Sie als Schadensersatz den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs minus Restwert. Sollten die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert um weniger als 30 Prozent übersteigen und Sie das Fahrzeug nach einer möglichen Reparatur weiterfahren wollen, so kann die sogenannte 130-Prozent-Regel zum Einsatz kommen: Obwohl es sich um einen wirtschaftlichen Totalschaden handelt, muss die gegnerische Versicherung die Reparaturkosten tragen.

    Auto mit wirtschaftlichem Totalschaden: Was nun?

    Liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor, so können Sie relativ wenig tun. Neben der 130-Prozent-Regel ist die einzige Möglichkeit ein unabhängiges Gutachten, das zu anderen Ergebnissen als der Sachverständige der Versicherung kommen kann.

    Was steht mir nach einem wirtschaftlichen Totalschaden zu?

    Ist es ein wirtschaftlicher Totalschaden? Die Versicherung bezahlt den Wiederbeschaffungswert des verunfallten Fahrzeugs (minus Restwert) an den Geschädigten. Je nach Modell und Region kann es sein, dass der Wiederbeschaffungswert nicht ausreicht, um tatsächlich ein gleichwertiges Fahrzeug zu erwerben. Nicht nur aus diesem Grund kann es sich lohnen, die 130-Prozent-Regelung zum Einsatz zu bringen. Liegt dagegen kein wirtschaftlicher Totalschaden vor, so bezahlt die Versicherung Ihnen die Reparatur. Da bei Fahrzeugen immer auch eine Wertminderung nach einem Unfall vorliegt, erhalten Sie zudem von der Versicherung eine Entschädigung in entsprechender Höhe. Entscheidend dafür ist, dass die Wertminderung des Fahrzeugs im Sachverständigengutachten auch festgehalten wird.

    Was passiert mit dem Auto bei einem wirtschaftlichen Totalschaden?

    Nach einem wirtschaftlichen Totalschaden bleiben Sie natürlich Eigentümer des Fahrzeugs. Wollen Sie es verkaufen, so richten Sie sich nach dem Gutachten und dem dort angegebenen Restwert – so viel können Sie in etwa für Ihr Fahrzeug erwarten.

    Wirtschaftlicher Totalschaden: Wie lange kann ich einen Mietwagen nutzen?

    Liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor und Sie müssen ein neues Auto kaufen, so haben Sie bis zur Beschaffung des Ersatzfahrzeugs den Anspruch darauf, einen Mietwagen zu nutzen. Achten Sie jedoch darauf, Ihre Nutzung und die Kosten deutlich zu dokumentieren, um die Kosten auch tatsächlich von der gegnerischen Versicherung ersetzt zu bekommen.

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