Wildunfall – was tun bei einem Wildschaden?

Windunfall mit Wildschwein© Petair - Fotolia.com

Eine Landstraße in der Dämmerung, und plötzlich steht ein Reh vor Ihrem Fahrzeug. Die in vielen Fällen unausweichliche Folge ist ein Wildunfall. In unserem TopTarif-Ratgeber erfahren Sie, was zu tun ist: Von Verhaltensregeln bis hin zu Versicherungsfragen.

Das Wichtigste zusammengefasst
  • In Deutschland kommt es statistisch gesehen zu 650 Wildunfällen täglich. Der Wildunfall ist also eine nicht zu unterschätzende Gefahr!
  • Kommt es trotz einer vorsichtigen Fahrweise, die gerade in der Dämmerung empfohlen wird, zu einem Wildunfall, helfen unsere Tipps dabei, sich richtig zu verhalten!
  • Die Schäden durch einen Wildunfall werden nur von der Vollkasko und zumeist von der Teilkasko abgedeckt. Achten Sie bei Ihrer Versicherung auf den Zusatz "erweiterte Wildschäden"!
Inhaltsverzeichnis

    Wildunfälle: Millionenschäden jedes Jahr

    Als Wildunfall bezeichnet man einen Verkehrsunfall, der durch ein Wildtier verursacht wurde. Sowohl die Kollision mit dem Tier selbst als auch ein durch das Wildtier veranlasstes – und zu einem Unfall führendes – Ausweichmanöver werden als Wildunfall bezeichnet. Der Wildunfall ist dabei häufiger als viele annehmen: Laut der Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) entstanden beispielsweise allein im Jahr 2015 Schäden in Höhe von 653 Millionen Euro bei insgesamt 263.000 gemeldeten Wildunfällen (rund zehn Prozent mehr als 2014). Anders gesagt: Täglich kommt es in Deutschland zu rund 720 Wildunfällen – ausgehend von den gemeldeten Schadensfällen. Der Deutsche Jagdverband (DJV) geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl um ein Vielfaches höher liegt. Die meisten Wildunfälle ereignen sich unter Beteiligung von Rehwild (rund 86 Prozent), daneben sind Wildschweine und Hirsche relativ häufig in Windunfälle verwickelt.

    So vermeiden Sie einen Wildunfall

    Obwohl ein Wildunfall im Straßenverkehr nicht gänzlich auszuschließen ist, können Fahrer das Risiko eines Wildunfalls durch richtiges Verhalten reduzieren. Der wichtigste Ratschlag zielt auf aufmerksames und vorsichtiges Fahren, vor allem zu Zeiten und an Orten mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Wildwechsel. Zu den besonders gefährlichen Zeiten gehören die Morgen- und die Abenddämmerung, die Herbst- und Winterzeit, sowie – wildtierspezifisch – die Brunft- und Paarungszeiten. Zudem sollten Autofahrer auf die entsprechenden Warnschilder achten, die in Deutschland Orte und Pfade mit erhöhtem Wildwechsel kennzeichnen. In den Herbst- und Wintermonaten ist die Gefahr eines Wildunfalls generell höher. Hinzu kommt, dass die typischen Witterungsverhältnisse in diesen Jahreszeiten den Bremsweg oftmals verlängern. Aus diesem Grund empfiehlt sich beim Fahren in Gefahrengebieten eine Anpassung der Geschwindigkeit.

    Ein Wildunfall droht – so verhalten Sie sich richtig

    Schon eine reduzierte Geschwindigkeit kann helfen, einen Wildunfall zu verhindern. Bereits bei einem Tempo von 80 Kilometern pro Stunde beträgt der Bremsweg knapp 55 Meter – genauso weit reicht das Scheinwerferlicht bei Nacht. Wenn Sie bei Dunkelheit schneller unterwegs sind, können Sie dem Zusammenprall nicht mehr ausweichen. Entdecken Sie am Straßenrand ein Reh oder ein anderes Tier, so bremsen Sie ab, hupen Sie und schalten Sie das Fernlicht ab. Das Fernlicht blendet das Tier und beeinträchtigt seine Orientierung. Im schlimmsten Fall könnte dies dazu führen, dass das Wildtier orientierungslos in Richtung der Lichtquelle rennt.

    Verhalten bei bevorstehendem Wildunfall

    Wenn sich das Wildtier bereits auf der Straße befindet, ist es wichtig, souverän zu reagieren:

    Wenn ein Wildunfall unvermeidbar scheint:
    • Bremsen Sie.
    • Schalten Sie das Fernlicht ab und hupen.
    • Ganz Wichtig: Weichen Sie nicht aus!

    Der Impuls, ein Ausweichmanöver einzuleiten, ist nachvollziehbar und reflexhaft. Sie sollten darauf unter allen Umständen verzichten. Zu groß ist die Gefahr, gegen einen Baum zu fahren, mit einem Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn zusammenzustoßen oder anderweitig die Kontrolle über das Auto zu verlieren. Alle diese Möglichkeiten sind potenziell gefährlicher als der Wildunfall. Zudem kann es passieren, dass das Wildtier panisch direkt vor das Auto läuft.

    Wildunfall mit Kleintier: Von Vollbremsung wird abgeraten

    Kleinere Wildtiere und Kleintiere sollten nur unter besonderem Bedingungen Grund für eine Vollbremsung sein. Die Gefahr, dass der nachfahrende Wagen nicht mehr rechtzeitig reagiert und auf Ihr Auto auffährt, ist relativ groß. In diesem Fall kann dem bremsenden Fahrer eine Teilschuld am Auffahrunfall zugesprochen werden. Hinzu kommt, dass ein Zusammenstoß mit Kleintieren generell ungefährlicher ist und einen geringeren Schaden verursacht als der Zusammenprall zweier Fahrzeuge.

    Richtiges Verhalten direkt nach dem Wildunfall

    Nachdem Sie mit einem Wildtier zusammengestoßen sind, dürfen Sie keinesfalls einfach den Unfallort verlassen. Zwar stellt das keine Fahrerflucht dar, aber es kann einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellen, sollte das Wildtier noch leben. Sichern Sie darum die Unfallstelle mit einem Warndreieck ab und melden Sie den Wildunfall bei der Polizei. Den Wildunfall müssen Sie auch dann melden, wenn das Wildtier nach dem Zusammenprall in den Wald gelaufen ist. Der Jagdaufseher bzw. -pächter wird sich um das verletzte Tier kümmern. Wichtig ist das nicht nur aus tierethischen Gründen, sondern auch aus versicherungsrechtlichen: Der Jagdaufseher stellt eine Unfallbescheinigung aus, die Sie für die Schadensregulierung benötigen.

    Wichtig: Tier liegenlassen!

    Nach dem Wildunfall sollten Sie keinesfalls das Wildtier berühren, unabhängig davon, ob es tot oder verletzt ist. Wildtiere können in einer solchen Notsituation in Panik geraten, wenn sich Menschen nähern – sie fangen an auszuschlagen und können den Menschen verletzen. Doch auch ein getötetes Tier sollten Sie nicht berühren: Es ist – nicht nur für Laien – nicht erkennbar, ob es nicht an einer Krankheit leidet, die auf Menschen übertragen werden kann. Und natürlich sollten Sie das Wildtier nicht mit nach Hause nehmen, um sein Fleisch zu verarbeiten. Zum einen bringt das die Gefahr ansteckender Krankheiten mit sich, zum anderen machen Sie sich damit der Wilderei strafbar. Das getötete oder verletzte Tier sollte von Fachleuten – in der Regel vom Jagdpächter – vom Ort des Unfalls entfernt werden.

    So sollten Sie sich bei einem Wildunfall verhalten:
    1. Ist es zu einem Unfall gekommen, halten Sie in jedem Fall an.
    2. Sichern Sie die Unfallstelle ab (Warndreieck, Warnblinklcht).
    3. Fassen Sie noch lebende Tiere nicht an. Das Tier könnte Sie verletzen oder Krankheiten auf Sie übertragen.
    4. Ein totes Tier dürfen Sie nicht einfach in ihr Auto laden und mitnehmen. Das gilt als Wilderei und ist strafbar.
    5. Machen Sie Fotos von der Unfallstelle, dem Tier und den Unfallspuren am Fahrzeug.
    6. Rufen Sie die Polizei über die 110. Sie wird Ihnen eine Wildunfallbescheinigung ausstellen, die Sie zusammen mit dem zuständigen Förster ausfüllen müssen, und sich um das tote/verletzte Wild kümmern.
    7. Sie sollten auch die Adressen von Zeugen oder involvierten Verkehrsteilnehmern notieren.
    8. Bescheinigung, Fotobelege und Schadensmeldung baldmöglichst bei der Versicherung einreichen.

    Einen hundertprozentigen Schutz vor einem Wildunfall gibt es nicht. Jeder Autofahrer kann aber durch eine vorausschauende Fahrweise und genügend Aufmerksamkeit im Straßenverkehr dazu beitragen, das Risiko für einen Zusammenstoß zu verringern.

    Wildunfall und Versicherung: Ihre Ansprüche

    Der Jagdpächter muss den Unfallschaden nicht zahlen, ebenso wenig kann er vom Fahrer Gebühren für die Kadaverbeseitigung oder gar Schadenersatz aufgrund des Wildschadens fordern. Einzig bei einem nichtgemeldeten Wildunfall kann Schadensersatzanspruch des Jagdpächters bestehen, wenn dadurch das tote Wild (sogenanntes Fallwild) verdirbt und nicht mehr weiterarbeitet werden kann. Für die Schadensregulierung am Unfallfahrzeug ist die Versicherung zuständig.

    Wildunfall: Haftpflicht nicht zuständig

    Die durch einen Wildunfall am Fahrzeug entstandenen Schäden werden nicht von der Kfz-Haftpflichtversicherung übernommen, diese ist ausschließlich zuständig bei Schäden, die Dritten entstanden sind. Wenn etwa durch ein Ausweichmanöver das Grundstück des Pächters beschädigt wurde, kann die Haftpflicht einspringen. Abgesehen von solchen Fällen sind beim Wildunfall Teilkasko bzw. Vollkasko zuständig.

    Wildunfall und Versicherung: Das müssen Sie wissen

    Die durch die Kollision entstandenen Fahrzeugschäden sind Sache der Teil- bzw. Vollkasko. Beachten Sie jedoch, dass der Wildschaden von Teilkasko-Versicherungen nicht immer übernommen wird. So gibt es immer noch Teilkasko-Policen, die die Schadensregulierung von der Art des Wildtiers abhängig machen. Diese Teilkasko-Versicherungen zahlen, wenn der Schaden durch einen Zusammenstoß mit Haarwild entstanden ist. „Haarwild“ wird vom Bundesjagdgesetz definiert, darunter fallen unter anderem Rotwild, Damwild, Rehwild, Murmeltiere und Seehunde. Möwen oder Fasane gehören nicht dazu. Bessere Teilkasko- und Vollkasko-Tarife kennen diese Einschränkung auf Haarwild nicht. Übrigens: Auch bei einem Wildunfall ist Selbstbeteiligung vorgesehen.

    Wildschaden bei Versicherung melden: So geht es

    Damit die Teilkasko ihre Leistungen auch zahlt, ist eine Anerkennung des Unfallgeschehens als Wildunfall notwendig. Dazu benötigen Sie entsprechende Belege, die Sie sich vom Förster bzw. Jagdpächter ausstellen lassen können. Zudem sollten Sie den Schaden fotografisch dokumentieren. Melden Sie ihn so schnell wie möglich bei der Versicherung. In vielen Fällen beauftragt diese einen Gutachter, der das Unfallfahrzeug untersucht. Belassen Sie eventuelle Unfallspuren darum idealerweise am Fahrzeug bis zum Abschluss der Begutachtung.

    Der Wildschaden als Versicherungsfall

    Zusammenstöße mit Tieren sind in der Teilkasko weitestgehend versichert. Dabei gibt es aber enorme Leistungsunterschiede. Während einige Policen für Unfälle mit Tieren aller Art aufkommen, decken andere lediglich Schäden durch Haarwild.

    Unter Haarwild versteht man Schwarz- und Rotwild, Hasen und Wildkaninchen, Murmeltiere, Marder und Elche, Luchse, Füchse und Wildschweine. Selbst Seehunde und Fischotter stehen auf dieser Liste. Da sich aber oft auch Nutz- oder Haustiere auf die Straße verirren, empfiehlt sich eine Kfz-Versicherung, die Kollisionen mit Tieren aller Art abdeckt.

    Wie unsere Modellrechnung zeigt, kostet der Schutz nur etwa 4 Prozent mehr im Jahr. Im Beispielfall eines Berliner Autofahrers sind es rund 24 Euro Mehrkosten. Auf den Schadenfreiheitsrabatt hat ein Wildschaden keinen Einfluss, allerdings wird bei der Regulierung die Selbstbeteiligung fällig.

    Position im Vergleichsrechner Tarif Preis OHNE erweiterte Wildschäden Tarif Preis MIT erweiterten Wildschäden
    1 Huk-Coburg Basis 546.93 € R+V 24 Basis 567.94 €
    2 AXA freie Werkstattwahl 547.59 € AXA freie Werkstattwahl Tier Extra 571.08 €
    3 R+V 24 Basis 567.94 € VHV Klassik-Garant 572.28 €
    4 AXA freie Werkstattwahl Tier Extra 571.08 € R+V 24 Komfort 587.22 €
    5 VHV Klassik-Garant 572.28 € AXA freie Werkstattwhal Tier Extra Fahrzeugwert Extra 592.16 €
    • Berechnungsgrundlage
      Die Auswertung basiert auf einem VW Golf 1.4 TSI BlueMotion (Baujahr 2013). Der 35-jährige Fahrer ist ein Angestellter aus Berlin mit der SF-Klasse 12 und 12.000 km Fahrleistung pro Jahr. Er allein fährt das Fahrzeug. Das Auto wurde mit einer Vollkasko/Teilkasko (Selbstbeteiligung: 300 Euro/150 Euro) und freier Werkstattwahl versichert. Die Berechnung setzt sich aus dem Durchschnitt der 15 günstigsten Versicherer des Gesamtmarktes und den Tarifen mit erweiterter Wildtierabdeckung zusammen.

    Ausweichen erlaubt? Wann zahlt die Versicherung?

    Wenn ein Tier unvorhergesehen auf die Straße läuft, ist der erste Impuls auszuweichen. Dabei ist jedoch ein sicheres Ausweichmanöver, besonders bei hohen Geschwindigkeiten, nicht immer garantiert. Gut zu wissen: Jeder Versicherte hat vertragsmäßig eine Schadenminderungspflicht. Er muss also alles ihm Mögliche versuchen, um Schäden abzuwenden. Kann durch ein Ausweichmanöver erwartungsgemäß ein geringerer Fahrzeugschaden erreicht werden, muss der Kfz-Anbieter unter Umständen die anfallenden Schadenskosten erstatten. Ob er wirklich zahlt, ist jedoch abhängig von der Verhältnismäßigkeit. Wer zum Beispiel einem Fuchs oder Igel ausweicht und daraufhin im Straßengraben oder im Gegenverkehr landet, muss sich vor der Versicherung rechtfertigen, ob es das Risiko wert war. Bei Kleinwild wird der Versicherer die Zahlung in den meisten Fällen verweigern, da eine Kollision nur geringe Schäden verursacht hätte. Ein weiteres Problem ist es, die Existenz des Tieres nachzuweisen, wenn man ausgewichen ist. Durch den nicht erfolgten Zusammenstoß sind zumeist keine Tierspuren am Fahrzeug zu finden und Betroffene können sich daher oft nur auf Zeugenaussagen stützen.

    Wer eine Vollkaskoversicherung besitzt, bekommt zwar auch bei einem Ausweichmanöver die Kosten erstattet, rutscht damit aber automatisch in eine schlechtere Schadenfreiheitsklasse.

    Die innovativsten Ideen, um Wildunfälle zu vermeiden

    Wildunfälle gehören zum Alptraum eines jeden Autofahrers. 2015 gab es 263.000 Unfälle mit Wildtieren. Damit ist die Anzahl der Zusammenstöße mit Rehen, Wildschweinen und anderem Wild im Vergleichzu 2014 um 10 Prozent gestiegen. Mit knapp 720 Unfällen täglich ist diese Art des Unfalls eine ernstzunehmende Gefahr für die Autofahrer auf Deutschlands Straßen. Deshalb haben wir anerkannte Experten gefragt, wie die Anzahl von Wildunfällen auf Problemstrecken effektiv reduziert werden kann, welche Faktoren das Wildunfallgeschehen beeinflussen und welche innovativen Ansätze es gibt, um Wildunfälle zu vermeiden.

    "Die Jagd als wichtigste Sicherheitsmaßnahme"

    Dr. Wolfang Kornder, 1. Vorsitzender des Ökologischen Jagdvereins Bayern e.V.:

    Wildunfälle „Die meisten und zum allergrößten Teil die gefährlichsten Wildunfälle passieren mit Schalenwild (Rot-, Reh- und Schwarzwild), allen voran mit Rehwild (weil diese Wildart am häufigsten vorkommt). Es überrascht immer wieder, dass die allereinfachste Lösung des Problems fast nie in Betracht gezogen wird. Dies ist die Reduktion der Schalenwildbestände. Es zeigt sich überall, dass dort, wo z.B. die Rehwilddichten reduziert wurden, die Wildunfälle signifikant zurückgehen oder ganz ausbleiben. Man schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Denn hiermit werden Einerseits werden hiermit die Gefährdung von Menschen und materielle Schäden reduziert und andererseits auch die erwünschte und notwendige Naturverjüngung des Waldes gefördert und der Gesetzesgrundsatz (Bayerisches Waldgesetz) „Wald vor Wild“ umgesetzt.

    Ergo: Wo die Schalenwildbestände angepasst sind, sinkt die Gefährdung und wächst die im Zeichen des Klimawandels wichtige Naturverjüngung des Waldes! Bestimmte Strukturen begünstigen Wildunfälle, z.B. Straßen an Wald- oder Deckungsrändern, Straßen, die Wildeinstände und begehrte Nahrungsflächen durchschneiden, am zentralsten aber hohe Schalenwildbestände. Auch in unfallträchtigen Bereichen sinkt die Zahl der Wildunfälle oder sie bleiben ganz aus, wenn die Schalenwilddichten reduziert sind!

    Alle mir bekannten Systeme, die Wildunfälle vermeiden sollen, angefangen von Wildreflektoren bis hin zu Bewegungsmeldern sind Krücken, die lediglich Symptombekämpfung betreiben, aber eben nicht die Ursachen beheben und von daher mittelfristig relativ wirkungslos sind.“

    "Die Bevölkerung muss aufgeklärt werden"

    Dieter Mackenrodt, 1. Vorsitzender des Jagdvereins „Hubertus“ Giessen und Umgebung e.V.:

    Wildunfälle „Derzeit werden von zahlreichen Verbänden und Vereinigungen Studien durchgeführt, die untersuchen, wie Wildunfälle effizient reduziert werden können. Zum einen kommen Duftzäune und Reflektoren zum Einsatz, wobei die Erfolge sehr unterschiedlich ausfallen. Aufgestellte Wildtierzäune zerschneiden den Lebensraum der Tiere. Meiner Meinung nach ist dies keine sinnvolle Alternative. Durch sogenannte Grünbrücken an Autobahnstrecken erfolgt ein guter Schutz, die Finanzierung ist jedoch teuer.

    Die beste Prävention ist meiner Meinung nach die stetige Aufklärung und Information der Verkehrsteilnehmer spätestens ab Herbst. Diese muss jedes Jahr aufs Neue über die öffentlichen Medien erfolgen und durch speziell aufgestellte Schilder und saisonale Geschwindigkeitsbegrenzungen in diesen Gebieten ergänzt werden. Eine gedrosselte Geschwindigkeit bei höherer Aufmerksamkeit schützt zudem Tier und Mensch. Mit der Erntezeit häufen sich auch die Wildunfälle. Jetzt finden die Tiere in den abgeernteten Feldern keine Nahrung mehr und begeben sich auf Nahrungssuche. Dazu gehört auch das Überqueren von Straßen und Autobahnen. Dass die meisten Wildunfälle in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden passieren, liegt daran, dass die Wildtiere dämmerungsaktiv sind. Das bedeutet, dass sie tagsüber in Deckung liegen und früh morgens sowie spät abends losziehen, um Nahrung zu finden.

    Sämtliche Eingriffe in die Lebenswelt der Tiere sollten vermieden werden. Das betrifft besonders die zusätzliche Fütterung der Tiere im Winter, die einen negativen Einfluss auf die natürliche Auslese der Wildtiere hat. Trotzdem kann man die Wildtiere bei der Nahrungssuche unterstützen, indem Wiesen seltener gemäht werden und sich dadurch eine größere Pflanzenvielfalt entwickeln kann. Ebenso kann man das Nahrungsangebot durch speziell angepflanzte und fruchttragende Hecken am Waldrand weitab von Straßen verstärken. Dies sind sanfte Möglichkeiten, um neue Nahrungsquellen natürlicher Art zu schaffen und gleichzeitig die Natur zu schützen. Und es bedeutet, dass wir den Wildtieren ihre Natur ein Stück weit zurückgeben, die wir uns zuvor zu Eigen gemacht haben.“

    "Die richtige Bepflanzung ist entscheidend"

    Thomas Schreder, Mitglied des Präsidiums des Bayerischen Jagdverbands e.V.:

    Wildunfälle „Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Wildunfälle effektiv zu reduzieren. Einen hundertprozentigen Schutz wird es allerdings nie geben. So lange auch nur ein Tier in den Revieren lebt, besteht eine theoretische Gefahr.

    Um Wildunfälle zu verhindern, kann man als Erstes versuchen, mithilfe von sogenannten Reflektoren, die an die Straßenbegrenzungspfosten angeschraubt werden, das Wild von den Straßen fern zu halten. Es werden verschiedene Farben (weiß/rot/blau) angeboten. In dem Revier, in dem ich jagen darf, hat sich die blaue Farbe als am wirkungsvollsten herausgestellt. Dazu gibt es die Möglichkeit, mithilfe eines Duftzaunes das Wild abzuschrecken. Dieser wird in verschiedenen Darreichungsformen angeboten (als Schaum, der an Leitplanken oder Astgabeln haftet oder als Granulat, das am Straßenrand ausgestreut wird). Beides hat bei uns gut funktioniert und wird parallel mit den Reflektoren angewandt. Beide Maßnahmen sind nicht ganz billig und werden von der Jägerschaft privat bezahlt.

    Dazu wird in Bereichen, die aus der Erfahrung unfallträchtig sind, schwerpunktartig bejagt, um die Wilddichte in den sensiblen Bereichen zu verringern. Als letzte Möglichkeit kann man beim zuständigen Baulastträger für die Bereiche, in denen besonders viele Wildunfälle passieren, beantragen, das Verkehrsschild aufstellen zu lassen, das die Autofahrer vor der Gefahrenstelle warnt. Auf stark befahrenen Straßen wird komplett gezäunt (Wildschutzzaun), wobei auch das kein absoluter Schutz ist, denn die Anschlussstellen lassen immer mal wieder Wild auf die Autobahnen kommen.
    Das Wildunfallgeschehen wird maßgeblich vom Grad der Störung der Wildtiere und von der Positionierung von Einstand (Ruheflächen für das Wild) und Äsungsflächen (Nahrungsgründe für das Wild) bestimmt. Wildtiere kreuzen in der Regel die Straßen nur, wenn sie aufgescheucht werden oder auf Nahrungssuche sind. Werden attraktive Nahrungsbereiche direkt am Straßenrand geschaffen, zieht man Wildtiere förmlich an. In der Regel ist das Wild in der Dämmerung aktiv, weil es sich da sicherer fühlt. Oft fällt das dann mit der Hauptverkehrszeit zusammen, was die Wahrscheinlichkeit für Wildunfälle sicher erhöht.

    Neben den genannten Gründen ist die Zeit der Fortpflanzung sehr sensibel. Zu dieser Zeit ist das Wild immer unterwegs und kann ständig die Fahrbahnen kreuzen. Für unsere häufigsten Wildarten sind das: Ende Juli/Anfang August (Reh), Mitte/Ende September (Rotwild), November/Dezember (Schwarzwild, wobei dieses aufgrund der klimatischen Veränderungen über das gesamte Jahr „rauschig“ sein kann).“

    "Neuartige Lichtschranken sorgen für Sicherheit"

    Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtierstiftung:

    Wildunfälle Münchhausen„Tempobeschränkungen und Hinweise auf die Gefahr von Wildwechsel sind das Standardprogramm und eine unerlässliche Voraussetzung, um die Gefahr von Wildunfällen zu minimieren. Darüber hinaus helfen Reflektoren zumindest während der Dunkelheit, das Wild auf ein herannahendes Auto aufmerksam zu machen und von der Straße abzuhalten. Hohe Geschwindigkeit und unkonzentriertes Fahren führen zu schweren Unfällen. Das Straßenbegleitgrün sollte möglichst flach gemäht sein, um dem Autofahrer Übersicht über das Gelände rechts und links der Straße zu gewähren. Darüber hinaus ist das Wildverhalten im Jahresablauf unterschiedlich. Insbesondere zur Paarungszeit ist das Wild aktiver. Einzelne Wildarten treten auch oft im Rudel auf, d.h. weitere Tiere folgen auf ein die Straße überquerendes Leittier. Das Wissen der Autofahrer mit Blick auf wildbiologische Zusammenhänge ist dringend zu verbessern.

    In der Erprobung sind spezielle Warnschilder, die herannahendes Wild über Lichtschranken und/oder Infrarotaufnahmen erkennen und dann durch Blinkzeichen den Autofahrer warnen. Darüber hinaus gibt es eine sinnvolle und einfache Initiative der Jägerschaft, die bisher nur in Norddeutschland verbreitet ist: das Aufstellen von rot gestrichenen Dreibeinen aus Holz an den Stellen, an denen ein Wildunfall passiert ist. Das bremst die Autofahrer. Schließlich sind an viel befahrenen Hauptverkehrsachsen an den Schwerpunkten des Wildwechsels verstärkt Überquerungshilfen in Form von Wildbrücken zu errichten, die es den Tieren ermöglichen, gefahrlos von einer Straßenseite auf die andere zu wechseln.“

    Die wichtigsten Fragen zum Wildunfall kurz erläutert

    Die wichtigsten Fragen zum Wildunfall
    • Wildunfall: Wo und wie meldet man ihn?Bleiben Sie am Unfallort stehen, sichern ihn ab und melden den Wildunfall der Polizei. Den Jagdpächter können Sie zusätzlich informieren bzw. dies der Polizei überlassen. Wichtig ist, den Unfallort nicht einfach zu verlassen – so können Sie sich strafbar machen, zudem wird dadurch die Schadensregulierung bei Ihrer Versicherung erschwert.
    • Wie kann man einen Wildunfall vermeiden?Fahren Sie in der Dämmerung besonders vorsichtig.
      Fahren Sie in Gegenden mit Wildwechsel (gemeinhin mit Warnschildern ausgezeichnet) vorsichtig und langsamer.
      Falls Sie ein Wildtier am Straßenrand sehen: Geschwindigkeit verringern, hupen und Fernlicht abschalten!
    • Wildunfall: Wer zahlt und wer haftet?Weder Jagdpächter noch Jäger haften für die am Fahrzeug entstandenen Schäden. Diese werden von der Teil- bzw. Vollkasko gezahlt, sofern es sich um einen Wildunfall unter Beteiligung von Haarwild handelt. Bei besseren Policen entfällt diese Einschränkung.
    • Wie geht man bei einem Wildunfall mit der Versicherung um?Wichtig ist, dass Sie den Schaden gut dokumentiert haben. Erstellen Sie dazu bereits am Unfallort Fotos von den Schäden, einen Unfallbericht und lassen Sie sich eine Bescheinigung über den Jagdunfall ausstellen. Dafür ist der Jagdpächter bzw. Förster zuständig. Oftmals setzen Versicherungen einen Gutachter ein, um den Wildschaden zu überprüfen. Die Schäden am Fahrzeug – selbst Blut- und Haarreste des Tieres – sollten Sie darum nicht vor Abschluss der Begutachtung entfernen.
    • Wildunfall: Was und wann zahlt die Versicherung?Die Teilkasko bzw. Vollkasko zahlt die Schäden am Fahrzeug – abzüglich der Selbstbeteiligung. Vor der Schadensregulierung setzen Versicherungen oftmals einen Gutachter ein, der die Plausibilität des Unfallgeschehens überprüft. Bis der Schaden ersetzt ist, können je nach Versicherung und Gutachten mehrere Wochen vergehen.

    Falls es trotz der genannten Vorsichtsmaßnahmen zu einem Wildschaden kommt, decken sowohl die Teilkasko- als auch die Vollkaskoversicherung (nicht aber die Haftpflichtversicherung) die entstandenen Reparaturkosten ab. Welche Kfz-Versicherung für Sie die beste ist, erfahren Sie bei uns.

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