Steinschlag: Wann zahlt die Versicherung?

Die Werbung schürt Hoffnung. Spezialisten können Ihre Windschutzscheibe vom Steinschlag heilen. Und das ganz unkompliziert. Sie sollten diese Hoffnung auf Heilung zwar nicht aufgeben, aber ganz so einfach stellt sich die Sachlage dann doch nicht dar. Scheiben lassen sich nämlich nur manchmal - unter bestimmten Voraussetzungen - reparieren. Oftmals bleibt als Alternative nur der Austausch. Immerhin zeigt die Praxis, dass nicht jeder Steinschlag zwingend zum Kollaps der Autoscheibe führen muss. Sind Sie zudem teilkaskoversichert, sind Sie finanziell bei der Kostenregulierung aus dem Gröbsten heraus. Wieso einige Versicherungen sogar bei einem Glasschaden durch Steinschlag auf die Selbstbeteiligung des Versicherungsnehmers verzichten, erfahren Sie hier.

Das Wichtigste zusammen­gefasst

  • Ein Steinschlag auf der Windschutzscheibe kann sich von einem kleinen Kratzer zu einem großflächigen Riss entwickeln. Kleben Sie den Kratzer umgehend mit einem durchsichtigen Klebestreifen ab, um dies zu verhindern!
  • Daraufhin sollten Sie schnellstmöglichst eine Werkstatt aufsuchen, um den Kratzer mit Spezialharz zu füllen oder im schlimmsten Falle die Scheibe austauschen zu lassen. Eine defekte Scheibe ist ein erhebliches Sicherheitsrisiko!
  • Nach einem Steinschlag übernehmen nur Kaskoversicherungen den Teil der Kosten, die über die Selbstbeteiligung hinausgehen. Die Haftpflichtversicherung hingegen zahlt gar nicht!

Inhalts­verzeich­nis

    Sofortmaßnahmen bei Glasschäden durch Steinschlag ergreifen

    Oftmals bemerken Sie den Schaden durch einen Steinschlag erst gar nicht. Wird Ihre Scheibe aber voll getroffen, ist es oft nur eine Frage der Zeit, bis sich der Schaden ausweitet bzw. bemerkbar macht. Bei einem erfolgten Steinschlag in das Verbundglas entsteht zunächst ein sternförmiger, kleiner Krater. In den meisten Fällen lässt sich ein Schaden dieser Art wieder reparieren. Nur in eher seltenen Fällen ist ein kompletter Austausch der betroffenen Autoscheibe tatsächlich nötig.

    Allerdings sollten Sie bei der Beschädigung einer Scheibe durch einen Steinschlag prompt reagieren. Damit nämlich eine spätere Reparatur erfolgreich verläuft, darf keinerlei Feuchtigkeit oder auch Schmutz in die feinen Ritzen und Sprünge eindringen. Daher sollten Sie die Schadenstelle bis zur Reparatur trocken und sauber halten. Um dies zu gewährleisten, können Sie die von dem Steinschlag lädierte Stelle ganz einfach mit einem Streifen handelsüblichen, transparenten Klebefilm schützend abkleben.

    Noch besser eignen sich spezielle Scheibenpflaster, die Sie sowohl bei Autoglasdiensten als auch bei Versicherungen erhalten. Legen Sie sich diese vorsorglich ins Handschuhfach, können Sie bei einem Steinschlag zeitnah reagieren. Der Klebefilmstreifen und auch das Scheibenpflaster lassen sich in der Regel für alle Scheiben - auch für die Heck- und Seitenscheiben - an Ihrem Auto nutzen. Allerdings können nur kleinere Schäden auf diese Art zuverlässig kurzzeitig vor Schmutz und Feuchtigkeit geschützt werden. Hat der Steinschlag stattdessen einen größeren Schaden an der Scheibe verursacht, kommen Sie um eine sofortige Reparatur nicht herum.

    Voraussetzungen für die Reparatur müssen erfüllt sein

    Entsprechende Reparaturverfahren basieren zwar mittlerweile auf optimierten Techniken, dennoch sind auch hier Grenzen gesetzt. So lassen sich Ausbesserungen an der Scheibe lediglich bis zu einer bestimmten Schadensgröße durchführen. Als Faustformel gilt hier: Eine Reparatur der Scheibe ist bis zu einem Schaden bzw. Krater möglich, der nicht größer als ein Daumennagel ist; zudem sollte der Krater nicht zu tief sein. Außerdem müssen Sie zusätzlich beachten, an welcher Stelle der Steinschlag die Scheibe getroffen hat. Ausbesserungen bzw. Reparaturen dürfen nämlich nur dann erfolgen, wenn sich der Schaden innerhalb eines festgelegten Bereichs befindet.

    So ist zum Beispiel der für Sie als Fahrer wichtige Fernsichtbereich der Windschutzscheibe eine Tabuzone. Der Gesetzgeber hat diesen Sichtbereich dabei eindeutig definiert: Ausgehend von der Mitte des Lenkrads werden zu jeder Seite hin 14,5 Zentimeter zum entscheidenden Sichtbereich des Fahrers gezählt; im unteren Bereich fungiert der Rand des Scheibenwischerfeldes als Begrenzung. Ist der Schaden zu nahe am Rand der Windschutzscheibe, darf ebenfalls nicht repariert werden. Ein entsprechender Schaden muss demnach schon mindestens zehn Zentimeter vom Rand entfernt sein. Ansonsten muss auch hier die komplette Scheibe ausgetauscht werden.

    Spezielle Reparaturtechniken kommen zum Einsatz

    Die Vorgehensweise bei der Reparatur einer Scheibe ist dabei bei sämtlichen Werkstätten oder Autoglasern grundsätzlich gleich. Lediglich die eingesetzten Arbeitsgeräte unterscheiden sich teilweise. Grundsätzlich wird zunächst die vom Steinschlag betroffene Stelle akkurat gereinigt; zudem werden etwaige lose Splitter entfernt.

    Ist die Blessur der Scheibe noch relativ frisch oder haben Sie mit Klebefilm oder einem Scheibenpflaster die Schadensstelle geschützt, ist das Ergebnis der Reinigung in der Regel gut. Ansonsten hat sich oftmals bereits derart viel Schmutz in den Sprüngen und Ritzen angesammelt, dass diese eine mögliche Reparatur stark behindern. Ist der Reinigungsprozess abgeschlossen, kommt eine Vakuumpumpe mit Unterdruckglocke zum Einsatz. In der Regel erzeugt die direkt über dem Schaden angebrachte Pumpe dabei einen Unterdruck von rund 0,8 bar. Zusätzlich wird von innen ein Spiegel via Saugnapf befestigt, damit der Fachmann verfolgen kann, wie der Reparaturvorgang innerhalb der Unterdruckglocke voranschreitet.

    Mit einem Überdruck von etwa 2,0 bar spritzt dann der Monteur in den Krater klares Kunstharz ein, das in sämtliche Ritzen eindringt. Auf die Einspritzmenge muss dabei nicht sonderlich geachtet werden, da der Monteur Überschüsse einfach abwischen kann.

    Nicht selbst Hand anlegen

    Anschließend wird dann ein härterer Deckharz auf die Schadensstelle aufgetragen. Ist auch dieser Vorgang abgeschlossen, wird die reparierte Stelle einige Minuten lang mit UV-Licht beleuchtet. Erst im Laufe dieser Beleuchtung härtet der Kunststoff aus. Zu guter Letzt schabt der Glaser die reparierte Stelle erst mit einer speziellen Klinge glatt, bevor er sie poliert. Der gesamte Reparaturvorgang dauert etwa eine halbe Stunde, wobei entsprechende Wartezeiten bereits einkalkuliert sind. In der Regel geben alle Betriebe eine entsprechende Garantie auf die ausgebesserte Stelle.

    Mit rund 80 bis etwa 100 Euro Kosten müssen Sie für eine Reparatur dieser Art rechnen. Allerdings ist die Reparatur einer Autoglasscheibe immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Kein Unternehmen kann dafür garantieren, dass die beschädigte Scheibe beim Ausbesserungsversuch nicht springt. Beschädigte Seiten- und Heckscheiben müssen demgegenüber prinzipiell durch Neuteile ersetzt werden. Dies liegt daran, dass sie aus thermisch vorgespanntem Glas bestehen. Ein solches Glas hat die Eigenschaft, dass es nicht splittert; stattdessen löst es sich in viele Krümel auf. Da es sich bei der Reparatur von Scheiben um ein sicherheitsrelevantes Unterfangen handelt, sollten Sie keinesfalls selbst Hand anlegen. Der Handel lockt hier zwar mit speziellen Reparatur-Kits, aber für eine einwandfreie Arbeit benötigen Sie sowohl eine Menge Spezialwerkzeug als auch eine besondere Ausbildung.

    Haftpflichtversicherung tritt bei Glasschaden durch Steinschlag nicht ein

    Der Austausch der durch einen Steinschlag lädierten Scheibe erfordert demgegenüber einen deutlich größeren Aufwand. Alleine aus finanzieller Sicht können hier - je nach Größe, Form und Ausstattung der jeweiligen Scheibe - Kosten von bis zu 1.000 Euro anfallen. Zudem geht der Austausch einer Scheibe oftmals mit leichten Beschädigungen am Lack einher; diese werden dann mit Rostprimer versorgt. Da die Reparatur oder der Einbau einer neuen Scheibe natürlich immer mit Kosten verbunden ist, stellt sich hier die Frage, ob Ihre Versicherung bei durch Steinschlag beschädigten Autoscheiben zahlt. Dabei sind mehrere Punkte ausschlaggebend. Verfügen Sie lediglich über eine gesetzlich vorgeschriebene Kfz-Haftpflichtversicherung, werden Sie die Kosten für die Reparatur oder eine komplett neue Scheibe vollumfänglich selber tragen müssen. Haben Sie allerdings eine Teil- oder Vollkaskoversicherung abgeschlossen, übernimmt Ihre Versicherung die Reparaturkosten oder zumindest einen Teil der anfallenden Kosten. Die Höhe des Schadenersatzes ist dabei abhängig von der Höhe Ihrer Selbstbeteiligung, die Sie mit Ihrem Versicherer vereinbart haben. Grundsätzlich übernimmt eine Versicherungsgesellschaft nur die Kosten, die über die vertraglich fixierte Selbstbeteiligung hinausgehen.

    Teilkasko-Versicherung: So kommen Sie um die Selbstbeteiligung herum

    Im Regelfall wird ein Glasschaden zwar eben auch von der Teilkasko-Versicherung mitversichert, aber oftmals scheuen sich Fahrzeugbesitzer, die Versicherung wegen eines Glasschadens durch Steinschlag tatsächlich in Anspruch zu nehmen. Dies liegt einerseits an der erwähnten Selbstbeteiligung, andererseits steht die Angst vor einer Erhöhung des Schadenfreiheitsrabatts oder einer Hochstufung im Vordergrund. Letzteres tritt aber in keinem Fall ein.

    Bei einem Glasschaden droht grundsätzlich keine Erhöhung des Schadenfreiheitsrabattes bzw. keine Hochstufung im Hinblick auf die Versicherungsprämie, da Glasschäden immer über die Teilkaskoversicherung abgewickelt werden. Ein Karosserieschaden wäre hingegen nur über eine Vollkasko versichert und dieser würde auch den dortigen Schadensfreiheitsrabatt belasten.

    Auch die Selbstbeteiligung stellt in diesem Fall keine unüberwindbare Hürde dar. Hier sollten Sie mutig agieren und bei Ihrer Versicherung anfragen, ob sie die Selbstbeteiligung erlässt, wenn Sie die Scheibe reparieren und nicht austauschen lassen. In der Praxis haben sich einige Versicherungen genau darauf eingelassen. Und das aus gutem Grund: Eine Reparatur ist im Gegensatz zum kompletten Austausch der Scheibe wesentlich günstiger. Ausgehend von einer Selbstbeteiligung von 150 Euro fallen nach Abzug des von Ihnen zu übernehmenden Betrags bei einem Austausch der Scheibe für Ihre Versicherung immer noch Kosten zwischen rund 500 und 850 Euro an. Verzichtet die Versicherung aber zugunsten einer Reparatur auf Ihre Selbstbeteiligung, schlagen nur etwa 100 Euro zu Buche.

    Schuldfrage: Kann der Vorausfahrende haftbar gemacht werden?

    Während der Fahrt schleudern die Räder des vorausfahrenden Autos einen Stein auf die eigene Frontscheibe und hinterlassen somit einen Steinschlag-Schaden. Die Schuld- bzw. Haftungsfrage lässt sich nicht einfach beantworten. Die Haftpflichtversicherung des vorausfahrenden Fahrzeuges haftet in der Regel nicht, da es sich nach Angaben der HUK-Coburg um ein unabwendbares Ereignis handelt.

    Besitzt man keine Kaskoversicherung, muss man als Geschädigter den Steinschlagschaden aus der eigenen Tasche bezahlen. Trotzdem besteht die Ausnahme, dass der Vorausfahrende dann haftet, wenn er einen deutlich sichtbaren Stein übersehen hat oder er auf einer Straße mit Rollsplit eine dort bestehende Geschwindigkeitsbeschränkung nicht beachtet hat.

    Steinschlag: Ohne Zeugen kaum Hoffnung

    Die Haftpflicht springt auch ein, falls Ladung umherfliegt – beispielsweise ein Lieferwagen Kartons verliert und die hinterher fahrenden Fahrzeuge beschädigt. Sollte der Verursacher nicht zu ermitteln sein oder sich nicht stellen, wird die Lage schwierig. In einigen Fällen hilft es, Anzeige gegen unbekannt zu stellen und verlorene Ladung als Beweismittel zu sichern. Kommt es beispielsweise zur Situation, dass das eigene Fahrzeug von den herabfallenden Steinen eines vorausfahrenden Kieslasters getroffen wird, hilft häufig nur ein Beifahrer als Zeuge. Ohne Beweis oder Spuren vom Täter bleibt der Fahrer auf dem Schaden sitzen. Gleiches gilt für Schäden durch Steinschlag am Berg. Dies geht aus einem Gerichtsentscheid (Az. 3 U 653/99) des Oberlandesgerichts Jena aus dem Jahr 2000 hervor.

    Lkw-Fahrer in der Nachweispflicht

    Trotzdem stehen auch die Chancen auf Schadensregulierung bei Steinschlag durch einen vorausfahrenden Bauschutt-Lkw nicht schlecht. In dem einem Fall gab das Landgericht Heidelberg der Klägerin Recht, deren Frontscheibe durch einen Steinschlag beschädigt wurde (Az.: 5 S 30/11). Das Gericht urteilte, dass der Lkw-Fahrer nur dann nicht zu Schadenersatz verpflichtet ist, wenn er nachweisen kann, dass der Schaden durch einen auf der Straße befindlichen Stein verursacht wurde.

    Steinschlag vorbeugen

    Effektive Methoden zum Steinschlagschutz im Voraus gibt es nur wenige. Schutzüberzüge sind meist überaus unpraktisch und Scheiben können überhaupt nicht vor dem Dreck auf der Straße geschützt werden, betont der Technikexperte Carsten Graf vom ADAC. Um das Risiko eines Steinschlagschadens dennoch zu reduzieren, empfiehlt er, zu vorausfahrenden Fahrzeugen einen größeren Abstand einzuhalten, da insbesondere bei einem Lkw Steinchen aus dem Reifenprofil mit enormer Wucht auf folgende Fahrzeuge prallen könne.

    So läuft dein Wechsel

    Kündigungsfrist Vertrag

    Kfz-Versicherung kündigen

    Du bist mit deiner Kfz-Versicherung unzufrieden? Hier findest du Musterschreiben und Tipps zur Kfz-Versicherung Kündigung.

    Kfz-Versicherung kündigen
    30. September

    Sonderkündigungs­recht

    Deine Kfz-Versicherung hat die Preise erhöht? Hier erfährst du wann das Sonderkündigungs­recht greift und findest unsere Musterkündigung.

    Sonderkündigungsrecht
    KFZ Zulassung Papiere

    Kfz ummelden

    Du ziehst um und musst dein Kfz um- oder anmelden? Hier erhältst du alle notwendigen Informationen dazu.

    Kfz ummelden