Fahrerflucht und Versicherung

Bei einer Fahrerflucht nach einem Unfall stellen sich viele Fragen, die die Versicherung betreffen. Wird mein Schaden bei Fahrerflucht von der Versicherung übernommen? Was passiert, wenn ich selbst fahrerflüchtig geworden bin? Welche Unfallflucht-Strafe droht mir? Zahlt die Kfz-Versicherung meine Schäden? Unser TopTarif-Ratgeber informiert Sie umfassend zum Strafbestand der Fahrerflucht, der Schadensregulierung durch Ihre Versicherung und allen anderen Fragen rund um Fahrerflucht und Versicherung.

Das wichtigste zusammen­gefasst

  • Fahrerflucht bringt ein hohes Strafmaß mit sich und gehört zu den häufigsten Tatbeständen im Straßenverkehr!
  • Geschädigte bleiben bei Fahrerflucht oftmals auf den Kosten sitzen, wenn kein Verursacher – und dementsprechend keine Haftpflichtversicherung – ermittelt werden kann!
  • Unfallflüchtige Verursacher erhalten, sofern sie ermittelt werden, Regressforderungen ihrer Haftpflicht!

Inhalts­verzeich­nis

    Fahrerflucht: Hohe Strafe schreckt viele nicht

    Unfallflucht findet häufiger statt, als viele denken. Der Auto Club Europa spricht von mehr als 500.000 von der Polizei erfassten Delikten im Jahr. Diese Schätzung bedeutet, dass Fahrzeugfahrer bei 20 Prozent der polizeilich registrierten Unfälle Fahrerflucht begehen. Das ist für die Unfallverursacher ein gefährliches Spiel: Hohe Geldstrafen, Verlust der Fahrerlaubnis, Fahrverbot und schlimmstenfalls eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren drohen, wenn der Verursacher erwischt wird. Für die Unfallopfer ist die Situation – je nach Schwere des Schadens – ärgerlich bis tragisch. Kann der Unfallverursacher nicht ermittelt werden, bleiben sie zumeist auf hohen Kosten sitzen.

    Wie wird Fahrerflucht definiert?

    Der Strafbestand der Unfallflucht, im Alltag auch Fahrerflucht genannt, wird im Strafgesetzbuch (StGB) als „unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“ bezeichnet. Was das Strafrecht damit meint: Der Fahrer eines Fahrzeugs verursacht einen Unfall und entfernt sich anschließend vom Unfallort. Der Strafbestand der Fahrerflucht liegt vor, wenn der Fahrer:

    • die Feststellung seiner Person, seines Autos und seiner Beteiligung am Unfall nicht ermöglicht
    • oder nicht am Unfallort abwartet, um die Feststellung seiner Personalien und Unfallbeteiligung zu ermöglichen
    • oder sich nach einer angemessenen Wartezeit entfernt und nachträglich die Feststellung seiner Personalien nicht ermöglicht.

    Wie funktioniert die Feststellung der Personalien?

    Als feststellungsberechtigt gelten sowohl die Polizei als auch die Unfallopfer. In der Regel muss der Verursacher seine Personalien und Informationen zum Unfallfahrzeug nennen sowie seine Beteiligung am Unfall schildern. Damit endet die Anwesenheitspflicht.

    Was bedeutet angemessene Wartezeit?

    Die angemessene Wartezeit, die der Unfallverursacher einhalten muss, wird unterschiedlich definiert. Sie hängt auch von der Schwere des Unfalls und dem Unfallort ab. Bei einem leichten Sachschaden genügt es, wenn der Fahrer ca. 15 Minuten wartet, bei Personenschäden sind Wartezeiten von zwei Stunden und mehr empfohlen. Achtung: Wenn Sie einen Zettel an der Windschutzscheibe des Geschädigten hinterlassen, entbindet Sie das nicht von der Wartepflicht!

    Bei Wildunfall keine Fahrerflucht

    Von Fahrerflucht spricht man, wenn der Verursacher eines Sach- oder Personenschadens sich unerlaubterweise vom Unfallort entfernt. Wild und Wildunfälle stellen in diesem Zusammenhang aber einen besonderen Fall dar: Da Wildtiere niemandem gehören, kann auch nicht von Sachschäden gesprochen werden.

    Tipp

    Erfahren Sie hier, wie Sie sich im Falle eines Wildschadens verhalten sollten!

    Verhalten am Wildunfallort

    Trotzdem sollten Sie den Unfallort nicht einfach verlassen, sondern die Polizei kontaktieren und den Unfall melden. Ist das Tier verletzt, können Sie sich andernfalls der Tierquälerei schuldig machen. Ergo gilt: Auch beim Wildunfall sollten Sie anhalten und die Polizei bzw. den Waldpächter informieren.

    Fahrerflucht und Versicherung: Regeln

    Je nachdem, ob Sie Geschädigter oder Verursacher bei einem Unfall mit Fahrerflucht sind, sollten Sie verschiedene Punkte im Umgang mit der Versicherung berücksichtigen.

    Unfallflucht: Welche Versicherung zahlt?

    Sie kommen zu Ihrem geparkten Wagen zurück und stellen fest, dass ein anderer Fahrer eine Schramme an Ihrem Auto hinterlassen hat, aber nicht mehr aufzufinden ist – ein klarer Fall von Fahrerflucht. Die Versicherung zahlt nicht, wenn der Verursacher nicht ermittelt und so aufgrund der Fahrerflucht der Sachschaden nicht von seiner Haftpflichtversicherung übernommen werden kann. Ist dies der Fall, so hilft dem Geschädigten nur sein Vollkasko-Versicherungsschutz: Bei Fahrerflucht übernimmt dieser den Schaden am Fahrzeug des Geschädigten.

    Übersicht: Fahrerflucht und Versicherung

    Zusammengefasst müssen Sie als Geschädigter Folgendes zum Thema Fahrerflucht und Versicherung beachten:

    • Bei Fahrerflucht zahlt die Haftpflichtversicherung des Schuldigen nicht, wenn dieser nicht ermittelt werden kann.
    • Kann der Verursacher ausfindig gemacht werden, so zahlt seine Haftpflicht. Da er aber seinen Versicherungsschutz durch Fahrerflucht verloren hat, wird diese anschließend Regressforderungen an ihn stellen – es wird teuer für den Schadensverursacher.
    • Kann der Verursacher nicht gefunden werden, so bleibt dem Geschädigten die Möglichkeit, den Schaden bei seiner Kaskoversicherung zu melden: Die Vollkasko übernimmt Kosten auch bei Fahrerflucht.
    • Wird der Verursacher nicht ausfindig gemacht und hat der Geschädigte keine Kaskoversicherung, bleibt er auf den Kosten sitzen.

    Eine Ausnahme von der obigen Regel stellt ein Unfall mit Personenschaden dar. Wird bei Fahrerflucht keine Versicherung – und somit kein Verursacher – ermittelt, so übernimmt der Verein Verkehrsopferhilfe (VOH) die Entschädigung. Dieser wurde von den deutschen Kfz-Haftpflichtversicherungen für solche Fälle eingerichtet.

    Zahlt seine Versicherung bei Fahrerflucht?

    Falls Sie als Verursacher eines Autounfalls Fahrerflucht begehen, kann das sehr teuer werden. Nicht nur, da das Strafmaß für den Tatbestand der Fahrerflucht bei einem Bußgeld in Höhe von ca. einem Monatsgehalt beginnt und bei einer dreijährigen Haftstrafe endet, sondern auch, da bei Fahrerflucht die Versicherung nicht einfach Kosten übernimmt. So droht Regress von Ihrer Versicherung. Das bedeutet, dass bei Fahrerflucht Ihre Haftpflichtversicherung den entstandenen Schaden zwar in einem ersten Schritt übernimmt, aber anschließend die Kosten von Ihnen zurückfordert. Die Regressforderung der Versicherung hat eine Maximalsumme von 5.000 Euro. Zudem muss Ihre Rechtsschutzversicherung die Kosten für einen Rechtsanwalt nicht übernehmen. Ob die Vollkaskoversicherung die Schäden am verursachenden Fahrzeug übernimmt, ist fraglich. In der Regel muss die Vollkasko den Schaden nicht übernehmen.

    Tipp

    Ihre Kfz-Versicherung möchte nicht zahlen? Wir helfen Ihnen, sich dagegen zu wehren!

    Urteil: Versicherungsschutz bei Fahrerflucht

    Jedoch hat der Bundesgerichtshof im Jahr 2012 in einem Urteil entschieden, dass der Strafbestand der Fahrerflucht nicht automatisch bedeutet, dass der Verursacher seinen Versicherungsschutz verliert (Az. IV ZR 97/11). Entscheidend sind die jeweiligen Umstände des konkreten Falls. Unabhängig davon kann im Fall einer Fahrerflucht die Versicherung nach der Schadensregulierung den Vertrag kündigen

    Wenn Halter und Fahrer nicht identisch sind?

    Begehen nicht Sie als Fahrzeughalter, sondern jemand anderes mit Ihrem Fahrzeug Unfallflucht, so wird die Haftpflichtversicherung Regressforderungen nicht an Sie, sondern an den tatsächlichen Fahrer stellen. Die Haftpflicht gilt für das Auto, nicht für den Fahrer. Auch Sie als Halter können den Fahrer in Regress nehmen. Sollte das Fahrzeug gestohlen und anschließend einen Unfall verursacht haben, so übernimmt Ihre Versicherung sowohl Fremd- wie auch Eigenschaden.

    Korrektes Verhalten nach einem Unfalll

    Die hohen Strafen und der Verlust des Versicherungsschutzes sollten Fahrer nicht riskieren. Um sich nicht der Fahrerflucht strafbar zu machen, sollten Kfz-Fahrer bei einem Unfall folgendermaßen agieren:

    • Liegt nur ein Sachschaden vor, so genügt es, dem Geschädigten Ihre Daten zu geben und Ihre Versicherung umgehend zu informieren.
    • Ist der Geschädigte nicht anwesend, so informieren Sie nach einer angemessenen Wartezeit die Polizei. Auch Ihre Versicherung sollten Sie nur wenig später informieren.
    • Handelt es sich um einen schweren Sachschaden oder sogar um einen Personenschaden, so leisten Sie unbedingt erste Hilfe, informieren anschließend die Polizei und warten Sie, bis diese eintritt.

    Übrigens: Sollten Sie sich bei einem Unfall unverschuldet vom Unfallort entfernen – etwa da Sie aufgrund Ihrer Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden – so liegt keine Unfallflucht vor.

    Die wichtigsten Fragen zu Fahrerflucht

    • Zahlt die Versicherung bei Fahrerflucht, wenn ich Geschädigter bin?

      Wenn Ihr Fahrzeug beschädigt oder Sie verletzt werden und der Verursacher Unfallflucht begeht, so zahlt dessen Haftpflichtversicherung Ihren Schaden – sofern der Verursacher ermittelt werden kann. Bleibt er unbekannt, so kann es passieren, dass Sie auf Ihrem Sachschaden sitzen bleiben. Sofern Sie eine Vollkasko haben, übernimmt diese den Schaden. Sollte es zu einem Personenschaden kommen, springt der Verein Verkehrsopferhilfe ein, sofern der Verursacher nicht ermittelt werden kann. So wird zumindest verhindert, dass zu den körperlichen Schäden auch eine untragbare finanzielle Belastung kommt.

    • Zahlt die Versicherung bei Unfallflucht, wenn ich Verursacher bin?

      Erst im Jahr 2012 stellte der Bundesgerichtshof fest, dass Unfallflucht nicht automatisch zum Verlust des Versicherungsschutzes führt. Vielmehr sei der konkrete Fall ausschlaggebend, wobei in den meisten Fällen – auch vor Gericht – entschieden wurde, dass der Tatbestand den Versicherungsschutz aufhebt. Wenn Sie Unfallflucht begehen und anschließend von der Polizei ermittelt werden können, so übernimmt Ihre Kfz-Haftpflicht die Kosten. Nach der Schadensregulierung kann die Haftpflicht Sie jedoch in Regress nehmen: Bis zu 5.000 Euro müssen Sie dann tragen. Zudem ist wahrscheinlich, dass die Kfz-Haftpflicht Ihren Vertrag nach Abschluss der Schadensregulierung kündigt.

    • Was zahlt die Versicherung bei Fahrerflucht?

      Kommt es zu einem Sachschaden, dessen Verursacher aufgrund von Fahrerflucht nicht ermittelt werden kann, so gibt es auch keine gegnerische Haftpflicht, die Ihren Schaden erstatten könnte. Ihre eigene Haftpflicht übernimmt nur Schäden, die Sie im Straßenverkehr Dritten zufügen. In diesem Fall müssten Sie somit die Reparaturkosten selbst tragen. Sollten Sie in eine solche Situation kommen, so können Sie Ihre Vollkasko einschalten. Diese kann den „von Unbekannt“ verursachten Schaden übernehmen.

    • Wie erfährt die Versicherung von Fahrerflucht?

      Wollen Sie als unfallflüchtiger Schadensverursacher einen Schaden am eigenen Fahrzeug bei Ihrer Vollkasko melden, so gehört zu Ihren Obliegenheitspflichten die Schilderung aller Umstände, die zu dem Autounfall geführt haben. Tun Sie dies nicht, so verstoßen Sie gegen die im Vertrag definierten Obliegenheiten. Erfährt die Vollkasko – oder die Haftpflicht – nachträglich davon, dass der Versicherte unfallflüchtig war, muss dieser mit Regressforderungen rechnen.

    • Was tun bei Fahrerflucht – Versicherung informieren?

      Im Fall eines Unfalls mit Fahrerflucht sollten Sie als Geschädigter unbedingt sowohl die Polizei als auch Ihre Vollkaskoversicherung informieren. Erstatten Sie zudem bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt. Sind mögliche Zeugen am Unfallort, so befragen Sie diese direkt zum Unfallhergang. Ein Beispiel: Sie haben Ihr Fahrzeug in einer Einkaufsstraße abgestellt und bemerken bei der Rückkehr zum Auto eine Schramme. In diesem Fall kann es bei der Identifikation des unfallflüchtigen Verursachers helfen, in den umliegenden Läden nachzufragen, ob ein Ladenbesitzer den Unfallhergang beobachtet hat.

    Kunden-Bewertungen

    • 5 / 5
      Ich bin bis jetzt sehr zufrieden mit dem Wechsel
    • 5 / 5
      Sehr gut seit Jahren genutzt!
    • 1 / 5
      Das DU als Anrede geht bei mir im seriösen Geschäftsumfeld überhaupt nicht.\nAlso nie wieder Top-Tarif

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