Datenautomatik: Kostenfalle oder praktisches Extra?

Viele kennen es: Oft ist das Datenvolumen bereits Mitte des Monats verbraucht und du kannst nicht mehr mit Highspeed auf deinem Smartphone surfen. Als Lösung bieten einige Anbieter die sogenannte Datenautomatik an, die Highspeed-Datenvolumen automatisch hinzubucht – allerdings nicht kostenlos! Dadurch können die Kosten für eine eigentlich günstige Flatrate schnell in die Höhe schießen. Die gute Nachricht lautet allerdings, dass sich die Datenautomatik meistens ganz leicht deaktivieren lässt. Daneben punktet die Datenautomatik auf jeden Fall mit ihrer Flexibilität und kann für einige Nutzergruppe sogar von Vorteil sein – zum Beispiel, wenn du nur zu bestimmten Anlässen wie im Urlaub mehr als sonst surfst.

Das Wichtigste zusammengefasst

  • Die Datenautomatik bucht bei verbrauchtem Inklusivvolumen des Mobilfunkvertrages automatisch neues Datenvolumen hinzu, sodass du wieder schnell surfen kannst.
  • Achtung: Bei vielen Tarifen wird das Datenvolumen ohne deine vorherige Zustimmung hinzugebucht. So können die Kosten für eine eigentlich günstige Flatrate in die Höhe schnellen!
  • Wie sich die Datenautomatik abschalten lässt, unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter.

Inhalts­verzeichnis

    Was ist eine Datenautomatik?

    Datenautomatiken gibt es seit Anfang 2014 bei bestimmten Handytarifen . Den Anfang machte E-Plus in seinem BASE-Tarif; im Jahr 2015 wurde die Neuerung – zusammen mit der Roaming-Flat – von O2 eingeführt. Auch Vodafone, smartmobil und andere Provider bieten Tarife, die über eine Datenautomatik verfügen. Ihre Funktionsweise ist schnell erklärt: Handytarife beinhalten ein bestimmtes monatliches Inklusiv-Volumen. Die höchste Übertragungsgeschwindigkeit deines mobilen Internets kannst du innerhalb dieses Datenvolumens nutzen. Bei LTE etwa bedeutet das Downstream-Geschwindigkeiten von bis zu 150 Mbit pro Sekunde. Ist das Inklusivvolumen verbraucht, reduziert sich die Verbindungsgeschwindigkeit bis zum Ende des laufenden Abrechnungszeitraums merklich: Bei vielen Anbietern beträgt sie dann nur noch 32 oder 64 Kbit pro Sekunde. Das reicht fürs Chatten oder Abrufen von E-Mails, viel mehr ist jedoch meist nicht mehr möglich. Bei Tarifen mit Datenautomatik wird dir zusätzliches Highspeed-Datenvolumen automatisch freigeschaltet, sobald dein monatliches Inklusivvolumen verbraucht ist. Dafür bezahlst du dann – je nach Tarif und Größe des Zusatzvolumens – etwa zwei bis fünf Euro. Dann kannst du wieder mit Highspeed surfen.

    Welche Nachteile hat die Datenautomatik?

    Die Datenautomatik ist bei einigen neuen Handytarifen ein fester Tarifbestandteil. Bei anderen LTE-Anbietern hast du hingegen die Möglichkeit, die Datenautomatik ausschalten zu lassen. Verbraucherschützer und Nutzer bewerten diesen neuen Tarifbestandteil unterschiedlich. Auf der einen Seite wird etwa die automatische Nachbuchung kritisiert, auf der anderen Seite wird der kleine Highspeed-Kick als Service-Bonus wahrgenommen. Insgesamt ist die Einstellung gegenüber der Datenautomatik kritisch. Die drei wichtigsten Kritikpunkte sind:

    1. Verlust der Kostenkontrolle

    Da die Datenautomatik in vielen Tarifen ohne dein explizites Einverständnis hinzugebucht wird, geht ein Teil der Kostenkontrolle verloren. Obwohl die Provider der grenzenlosen automatisierten Hinzubuchung einen Riegel vorgesetzt haben – bei O2 beispielsweise wird das Extra-Volumen maximal drei Mal pro Abrechnungsmonat hinzugebucht –, können die monatlichen Kosten höher sein als die reinen Flat-Kosten vermuten lassen. Ein aktuelles Beispiel (Stand: August 2016): Der Tarif „O2 Blue All-In M“ kostet für Neukunden rund 20 Euro im Monat. Er beinhaltet zwei Gigabyte (GB) Datenvolumen und eine Automatik, die bis zu drei Mal monatlich aktiviert wird. Mit der Datenautomatik erwirbst du 250 Megabyte (MB) Zusatzvolumen zu je drei Euro. Vor jeder Aktivierung wirst du per SMS informiert, dass Extra-Datenvolumen nachgebucht wird. Im Lauf eines Monats werden derartige SMS aber schnell übersehen, sodass am Ende des Abrechnungsmonats insgesamt Kosten von 29 Euro entstanden sind. Damit kann die Rechnung am Monatsende rund 45 Prozent höher sein als der Handyvertrag vermuten lässt.

    2. Preis-Leistungsverhältnis der Datenautomatik ist verbesserungswürdig

    Verbraucherschützer und Fachpresse kritisieren zudem, dass die per Datenautomatik hinzugeschalteten Volumenpakete unverhältnismäßig teuer sind. Es wäre für den Nutzer mitunter günstiger, von vornherein einen anderen Tarif abzuschließen. Wird dir zum Beispiel beim „O2 Blue All-In M“-Tarifs drei Mal zusätzliches Datenvolumen freigeschaltet, so hast du am Monatsende insgesamt 2,75 GB Highspeed-Datenvolumen (zwei GB Inklusivvolumen plus 750 MB Zusatzvolumen in drei Teilen zu je 250 MB) zu einem Preis von 29 Euro erhalten. Der nächstteurere Tarif von O2 ist „Blue All-In L“. Er bietet Neukunden vier GB Highspeed-Datenvolumen zu einem Preis von rund 30 Euro im Monat. Das bedeutet: Mit dem „Blue All-In M“-Tarif zahlst du bei deutlich weniger Datenvolumen fast genauso viel wie mit dem „Blue All-In L“-Tarif (Stand: August 2016).

    3. Keine Wahlmöglichkeit bei der Datenautomatik

    Die Datenautomatik ist bei vielen Handytarifen keine Option, sondern von Anfang an aktiv. Zwar kannst du sie in der Regel deaktivieren, in der Grundeinstellung ist sie aber eingeschaltet. Verbraucherschützer bemängeln, dass Kunden damit automatisch einen kostenpflichtigen zusätzlichen Service nutzen, ohne dem explizit zuzustimmen. Dagegen argumentieren die Provider , dass es sich bei der Datenautomatik nicht um einen Zusatzservice handele, sondern um einen festen Tarifbestandteil. Da User die Datenautomatik zumeist wieder abschalten können, handelt es sich vor allem um ein Informationsproblem: Als Nutzer solltest du wissen, dass dein Tarif eine Datenautomatik besitzt und wie du diese im Fall der Fälle abschalten kannst. Allerdings lässt sich die Datenautomatik nicht bei allen Providern abschalten.

    Welche Vorteile hat die Datenautomatik?

    Bei aller – teilweise auch berechtigten – Kritik an der Datenautomatik kann sie für manche Nutzungsmuster und Verbraucherprofile einen praktischen Vorteil bieten. Das gilt insbesondere für Nutzer mit einem schwankenden Datenvolumenbedarf. Wenn du beispielsweise zu manchen Zeitpunkten (etwa im Urlaub, auf Reisen oder nach einem Umzug) häufiger mobil surfen möchtest, kann die Datenautomatik sinnvoller sein als der Abschluss eines teureren Handyvertrags. Die Datenautomatik bietet dir in diesen Fällen also eine attraktive Flexibilität. Im Unterschied etwa zu einem Tarifwechsel, beinhaltet die Datenautomatik keine Mindestvertragslaufzeit, sondern kann spontan hinzugebucht werden.

    Du musst dich somit nicht für ein bis zwei Jahre zu einem neuen, teureren Tarif verpflichten, sondern kannst auf deinen wechselnden Bedarf flexibel reagieren. Wenn du prinzipiell sowieso nur Handytarife ohne Mindestvertragslaufzeit wählst, dann entfällt dieser Vorteil natürlich: Solche Verträge kannst du ohnehin jederzeit unter Berücksichtigung der Kündigungsfrist einfach kündigen.

    Rechtliche Bewertung der Datenautomatik ist umstritten

    Die Kritiker und Anbieter der Datenautomatik sahen sich Anfang 2016 sogar vor Gericht wieder. Im konkreten Fall klagte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) vor dem Landgericht München gegen die Datenautomatik von O2 – und bekam Recht. Das Landgericht erklärte in seinem Urteil die O2-Tarifbestimmungen zur Datenautomatik für unzulässig. Der Grund: Kostenpflichtige Zusatztarife wie die Datenautomatik dürfen nicht einfach „automatisch“ hinzugebucht werden – es bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Verbrauchers. Der Provider legte Berufung gegen das Urteil des Landgerichtes ein. Die abschließende rechtliche Bewertung der Datenautomatik wurde somit vertagt.

    Datenautomatik deaktivieren – so geht‘s!

    Die Abschaltung der Datenautomatik muss bei jedem Anbieter anders durchgeführt werden. Bei den größten Anbietern lässt sich die Datenautomatik abschalten, indem zum Beispiel eine Sonderrufnummer angerufen wird. Doch dies funktioniert nicht immer – in manchen Fällen kannst du die Datenautomatik nicht selbstständig deaktivieren!

    Datenautomatik deaktivieren bei O2

    O2 gehört zu den Vorreitern der Datenautomatik-Einführung. Die Abschaltung ist nicht ganz einfach, dennoch gibt es mehrere Möglichkeiten. So kannst du als O2-Kunde über das O2-Hilfeforum explizit beauftragen, dass die Datenautomatik deaktiviert wird. Alternativ ist ein Anruf bei der Hotline möglich. Diese ist folgendermaßen erreichbar:

    • 55222 (innerhalb des O2-Netzes)
    • 089/787 979 400 (außerhalb des O2-Netzes)

    Vodafone: SpeedGo deaktivieren

    Die Datenautomatik heißt bei Vodafone „SpeedGo“ und ist Bestandteil vieler Tarife. Obwohl Vodafone keine Informationen in den entsprechenden FAQs zur Deaktivierung anbietet, kannst du SpeedGo dennoch dauerhaft abschalten. Dazu musst du den Kundendienst von Vodafone kontaktieren. Das ist etwa telefonisch möglich unter folgenden Rufnummern:

    • 1212 (innerhalb des Vodafone-Netzes)
    • 0800/172 1212 (außerhalb des Vodafone-Netzes)

    Drillisch-Tochterunternehmen: Datenautomatik ist nicht immer deaktivierbar

    Achtung: Nicht alle Anbieter bieten die Möglichkeit, die Datenautomatik abzuschalten. Das gilt etwa für viele Marken und Tochtergesellschaften des Unternehmens Drillisch. Zu diesen gehören etwa:

    • DeutschlandSIM
    • helloMobil
    • yourfone
    • smartmobil.de
    • WinSIM

    Diese Tochtergesellschaften bieten jeweils eine Datenautomatik bei ihren Handytarifen und definieren diese als festen Tarifbestandteil. Das bedeutet, dass sie nicht deaktiviert werden kann. Deshalb solltest du dir vorher gut überlegen, ob du einen solchen Tarif mit obligatorischer Datenautomatik abschließen möchtest. Die entsprechenden Tarife kannst du an der Formulierung „Die Datenautomatik ist fester Tarifbestandteil“ erkennen. Andere Tochtergesellschaften von Drillisch dagegen bieten Handytarife mit abschaltbarer Datenautomatik. Dazu gehören:

    • PremiumSIM: Deaktivierung telefonisch (06181/7074 07), in der „persönlichen Servicewelt“ online oder schriftlich möglich.
    • Simply: Deaktivierung ist online („persönliche Servicewelt“), schriftlich und telefonisch (06181/7074 010) möglich.

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