Für viele der rund 70 Millionen Krankenversicherten rücken Zusatzbeiträge näher. Mehrere große gesetzliche Krankenkassen stehen unter Finanzdruck. Allerdings wollen die Kassen zunächst ohne die Zusatzprämie von bis zu einem Prozent des Einkommens zu Lasten ihrer Mitglieder ins neue Jahr starten.
Das Bundesgesundheitsministerium gehe von 25 Kassen aus, die im kommenden Jahr einen Zusatzbeitrag erheben müssen, berichtete das «Handelsblatt» unter Berufung auf ein Gesprächsprotokoll des Ersatzkassenverbands vdek. Dieser Verband von Techniker Krankenkasse, Barmer, DAK und anderen meldete für das dritte Quartal 2009 einen gemeinsamen Überschuss seiner Mitglieder von 20 Millionen Euro. Allerdings verzeichnete die DAK ein Minus von 77 Millionen Euro, wie die Deutsche Presse-Agentur dpa aus Kassenkreisen erfuhr.
Die Barmer lag hingegen mit 17,5 Millionen Euro im Plus. Bei der KKH-Allianz gab es ein Plus von 11 Millionen Euro. Die Sprecher aller drei Kassen betonten, zum Jahresbeginn würden keine Zusatzbeiträge erhoben. Später sei dies aber auch nicht ausgeschlossen.
Die Ersatzkassen hätten ihre Verbandssatzung geändert und könnten sich nun gegenseitig aus einer finanziellen Notlage helfen, berichtete das «Handelsblatt». Der vdek wies darauf hin, die Finanzergebnisse seien in der gesamten gesetzlichen Krankenversicherung auf Pump finanziert. Das vom Bund gewährte Darlehen 2009 müsse daher in einen Zuschuss umgewandelt werden.
Die AOK verzeichneten für das dritte Quartal einen leichten Zuwachs ihrer Überschüsse. Sie dürften von 818 Millionen Euro zum Halbjahr um 82 Millionen Euro auf rund 900 Millionen gestiegen sein, hatte der AOK-Bundesverband mitgeteilt. Die AOK seien Profiteure des seit diesem Jahr gültigen Finanzausgleichs zwischen den Kassen, monierten die Ersatzkassen. Dieser Mechanismus müsse überprüft werden.
Die 140 Betriebskrankenkassen schlossen nach dem dritten Quartal mit einem Überschuss von 194 Millionen Euro ab. Bei den Innungskassen gab es demnach ein Plus von 196 Millionen Euro.
Weitere finanzielle Belastungen drohen den Kassen durch einen Anstieg der Bezüge der Apotheker. Die Betreiber der etwa 22.000 Apotheken in Deutschland dürften auf ein Plus von 350 Millionen Euro hoffen, berichtete die «Süddeutsche Zeitung» unter Berufung auf Koalitionspolitiker. Hintergrund sei ein Schiedsspruch im seit Monaten anhaltenden Streit zwischen dem Kassen-Spitzenverband und den Deutschen Apothekerverbänden, der noch in dieser Woche verkündet werden solle.
Konkret gehe es um die Höhe des Rabatts, den die Apotheker den Kassen gewähren müssen. Derzeit ist ein Abschlag von 2,30 Euro für eine Arzneipackung fällig. Die Apotheker wollen deutlich weniger zahlen. Künftig könnte die Abgabe 1,70 Euro betragen, berichtete die Zeitung. (dpa/dt)
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