In Deutschland ist die Nachfrage nach Atomkraftwerken aktuell sehr gering, also zieht es den Energieversorger RWE zu den europäischen Nachbarn. Im bulgarischen Belene wird ein neues Kraftwerk gebaut - das mittlerweile zweite in Bulgarien.
Ein Anteil von 51 Prozent des Kraftwerkes soll in der Hand des staatlichen bulgarischen Elektrizitätsunternehmens NEK verbleiben. Um die übrigen 49 Prozent streiten sich derzeit noch zwei ausländische Unternehmen: RWE und die belgische Electrabel, ein Tochterunternehmen des französischen Energiegiganten Suez. RWE hat nun, genau wie Electrabel, ein verbindliches Angebot abgegeben. Das bestätigte ein Sprecher des Unternehmens.
Das Kraftwerk soll vom russischen Unternehmen Atomstroiexport gebaut werden und laut Vertrag etwa 4 Milliarden Euro kosten. Allerdings beziffert NEK die Kosten bereits jetzt auf knapp 5 Milliarden Euro.
Umweltorganisationen üben harsche Kritik an dem Projekt und an RWE. Der geplante Standort des Atomkraftwerkes liege in einem Erdbebengebiet. Dies zeige ein Blick auf die Karte der Europäischen Seismologischen Kommission. Das Projekt sei bereits zu Sowjetzeiten geplant, aber aufgrund der Sicherheitsbedenken mehrfach wieder aufgegeben worden.
Und tatsächlich gab es im Jahr 1977 ein großes Erdbeben, dessen Zentrum nur 14 Kilometer vom geplanten Standort des Kraftwerks entfernt war. 120 Menschen verloren damals ihr Leben. Der ehemalige Leiter der bulgarischen Atomaufsicht, Gueorgui Kastchiev, äußerte sich im November 2007 zu dem geplanten Bau folgendermaßen: „Wenn man das hohe seismische Risiko der Bauregion und den niedrigen Atomsicherheitslevel in Bulgarien zusammenrechnet, kann man nur zu einem Schluss kommen: Dieses Projekt darf nicht weitergeführt werden."
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