07. Oktober 2009 - Der deutsche Energiemarkt – die wichtigsten Energieträger: Erdöl

Die Energieversorgung in Deutschland wird hauptsächlich über fossile Energiequellen gewährleistet. Im Jahr 2008 wurden 82,3 Prozent der Primärenergie durch Erdöl, Erdgas, Kohle sowie Kernkraft bereitgestellt. Erdöl steuert 33,8 Prozent zum Gesamtenergiemix bei. Kohle und Erdgas liegen mit 25,8 Prozent bzw. 22,7 Prozent deutlich dahinter. Die Kernenergie (11,1%) und die erneuerbaren Energien (6,6%) sind in geringerem Maße an der Bereitstellung der Primärenergie beteiligt.
Bei der reinen Stromversorgung sieht die Gewichtung jedoch ganz anders aus. Braun- und Steinkohle haben mit 42,2 Prozent den größten Anteil an der Strombereitstellung. Zu 23,5 Prozent entsteht Strom in Deutschland durch Kernkraft, während 13,9 Prozent durch Erdgas erzeugt werden.
In diesem Mix sind die erneuerbaren Energien etwas besser aufgestellt: Ökostrom macht immerhin 15,2 Prozent der gesamtdeutschen Stromerzeugung aus. Ein Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 14 Prozent. Im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) soll dieser Anteil weiter ausgebaut werden. Das EEG wurde im Jahr 2000 beschlossen und begünstigt den Ausbau von Energieversorgungsanlagen, die sich aus regenerativen Energiequellen speisen.

TopTarif stellt den deutschen Energiemix vor und erklärt Zusammenhänge und aktuelle Entwicklungen. Neben den konventionellen Energieträgern Kernkraft, Kohle, Erdgas und Erdöl setzen wir den Fokus auf die erneuerbaren Energien und erläutern im Detail die Energiebereitstellung durch Sonnenlicht, Windenergie, Wasserkraft, Erdwärme und Biomasse.

  • Erdöl - „Schwarzes Gold" unverzichtbar für den Energiemix

Erdöl besteht hauptsächlich aus Kohlenwasserstoffen und entstand vor etwa 65-200 Millionen Jahren aus abgestorbenen Meeresorganismen. Erst sanken diese in den Faulschlamm von flachen Meeren und wurden dort einem langwierigen Abbauprozess unterworfen. Im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende lagerten sich viele Schlammschichten darüber. Unter hohem Druck und hoher Temperatur wandelten dann anaerobe Bakterien den sauerstoffarmen Faulschlamm um, so dass allmählich die Erdöl- und Erdgas-Lagerstätten entstanden.

Die großtechnische Ausbeutung der Erdöl-Lagerstätten begann im 19. Jahrhundert. Man wusste bereits, dass bei Bohrungen nach Wasser und Salz gelegentlich Erdöl in die Bohrlöcher einsickerte. Die ersten Bohrungen wurden im März 1856 in Dithmarschen und 1858 bei Wietze in Niedersachsen durchgeführt. In einer Tiefe von ca. 50 m wurde um 1910 mit 2000 Bohrtürmen etwa 80 % des deutschen Erdölbedarfs gefördert. Das Ölfördermaximum von 8,2 Millionen Tonnen wurde bereits im Jahr 1968 erreicht.
Vor allem die Erfindung des Automobils führte im 20. Jahrhundert zu riesigen Verbrauchssteigerungen. Betrug die Weltproduktion von Erdöl um 1860 noch etwa 70.000 Tonnen, waren es 1870 bereits rund 1 Million Tonnen. In weniger als 100 Jahren hatte sich diese Zahl vertausendfacht: 1960 erreichte sie rund 1 Milliarde Tonnen. Heute dient Erdöl zur Erzeugung von Elektrizität und weiterhin als Treibstoff für fast alle Verkehrs- und Transportmittel. In der chemischen Industrie wird Erdöl zudem zur Herstellung von Kunststoffen und anderen Chemieprodukten eingesetzt.
Erdöl ist derzeit der wichtigste Rohstoff der modernen Industriegesellschaften. Deshalb trägt es auch den Beinamen „Schwarzes Gold". Allein im Jahr 2008 wurden über 4,5 Milliarden Tonnen Erdöl weltweit gefördert. Nach heutigem Stand der Technik, voraussichtlicher Fläche und Verbrauch decken die Erdölreserven noch knapp 50 Jahre lang den Weltverbrauch.

Die geschätzten sicheren und wahrscheinlichen Erdölreserven in Deutschland lagen am 1. Januar 2009 bei 34 Millionen Tonnen und damit um 3 Millionen Tonnen oder 8 Prozent unter denen des Vorjahres. Im Berichtsjahr 2008 wurden in Deutschland rund 3 Millionen Tonnen Erdöl gefördert. Das entspricht einem Rückgang um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die statische Reichweite der geschätzten Erdölreserven, also die Reichweite des Erdöls bei konstanter Förderung, lag am 01. Januar 2009 bei etwas über 11 Jahren. Dabei liegen fast alle Erdölreserven in Deutschland in den Bundesländern Schleswig-Holstein (63 %) und Niedersachsen (33 %).

Die Umweltproblematik, die mit der Erdölförderung zusammenhängt, wird von Umweltschützern schon lange thematisiert. Vor allem im Meer hinterlässt der Rohstoff schwere Folgen: durch Unfälle, ölhaltigen Bohrschlamm und andere Abfallprodukte. Problematisch ist auch die Förderung von Erdöl in den Entwicklungsländern. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds wuchsen Länder ohne Rohstoffe zwischen 1970 und 2000 viermal schneller als Länder, die Erdöl fördern. Der unverantwortliche Umgang mit dem Ölreichtum bringt Umweltbelastungen und Menschenrechtsverletzungen auf die Tagesordnung und erschwert die demokratischen Prozesse in den Schwellenländern.

Lesen Sie morgen: Erdgas - Heizmotor der Industriegesellschaft

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