Grobe Fahrlässigkeit

Grobe Fahrlässigkeit: Befreiung von der Leistungspflicht

grobe_fahrlaessigkeit

Grobe Fahrlässigkeit liegt dann vor, wenn der Handelnde die in einer Situation notwendige Sorgfalt in besonders hohem Maß missachtet. Jeder, der etwas Logisches, für jeden Beteiligten Einleuchtendes absichtlich außer Acht lässt, handelt grob fahrlässig. Liegt im Schadensfall grobe Fahrlässigkeit vor, hat der Versicherer grundsätzlich das Recht, sich von seiner Leistungspflicht zu befreien.

 

 

Beispiele für grobe Fahrlässigkeit

Im Straßenverkehr handelt jeder grob fahrlässig, der eine rote Ampel oder ein Stoppschild überfährt. Weiterhin gilt es als grobe Fahrlässigkeit, sein Fahrzeug zu führen, während man eine andere Handlung ausführt, sodass die eigene Aufmerksamkeit nicht mehr in vollem Umfang dem Straßenverkehr gilt. Beispiele hierfür sind das Wechseln einer CD, das Bedienen eines Mobiltelefons oder das Aufheben eines heruntergefallenen Gegenstands. Ein weiteres Beispiel für die grobe Fahrlässigkeit stellt die dauerhafte Aufbewahrung der Fahrzeugpapiere im Inneren des Fahrzeugs dar. Grobe Fahrlässigkeit ist grundsätzlich auch dann gegeben, wenn der Fahrer sein Fahrzeug trotz absoluter Fahruntüchtigkeit führt. Diese liegt bei Einfluss von Alkohol (ab 1,1 Promille Alkoholgehalt im Blut) vor.

Entfallen des Versicherungsschutzes durch grobe Fahrlässigkeit

Die Definition einer Handlung als grobe Fahrlässigkeit kommt vor allem in Bezug auf Versicherungsleistungen zum Tragen: Ist ein entstandener Schaden das Resultat eines grob fahrlässigen Verhaltens, wird der Versicherer von seiner Leistungspflicht gegenüber dem Versicherungsnehmer ganz oder teilweise befreit. Laut einem Urteil des BGH (Bundesgerichtshof) darf ein Versicherer dem Geschädigten die Versicherungsleistung in vollem Umfang entziehen, wenn der Schaden durch eine alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit entstanden ist. Es empfiehlt sich daher, einen Verzicht auf den Einwand grober Fahrlässigkeit mit seinem Versicherer zu vereinbaren, sodass dieser auch beim Vorliegen von grober Fahrlässigkeit zu keiner Leistungskürzung berechtigt ist.

Prüfung des Einzelfalles

Seit 2008 profitieren Autofahrer von einer neuen Regelung, die den Versicherungsschutz beim Vorliegen grober Fahrlässigkeit nicht mehr automatisch aufhebt. Vielmehr werden seitdem die Umstände berücksichtigt, unter denen es zum Schaden kam. Fährt ein Autofahrer bei Rot zu früh los und stößt mit einem entgegenkommenden Auto zusammen, wird nicht mehr pauschal die Versicherungsleistung gestrichen, sondern analysiert, was der Grund für das Überfahren der roten Ampel war. Stand beispielsweise das Licht so, dass die Ampel schlecht zu erkennen war, trägt er nicht die volle Schuld am Unfall und die Leistung wird lediglich gekürzt und nicht komplett aberkannt. Die Höhe der Kürzung liegt im Ermessen des Richters. Vollen Schutz genießt trotzdem, wer den Einwand grober Fahrlässigkeit vertraglich ausgeschlossen hat. Manchmal führt dies jedoch zu höheren Versicherungsbeiträgen.

Mehr zum Thema Kfz:

next
  • SparkassenDirekt Versicherung
  • R+V 24
  • Hannoversche Direkt
  • Europa Versicherung
  • Direct Line
  • DBV
  • DA Direkt
  • AXA
  • Allsecur
  • Admiral Direkt
prev